<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290</id><updated>2011-09-05T14:14:54.229+02:00</updated><title type='text'>Beim Erzengel</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>48</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-112429113598774325</id><published>2005-08-17T17:04:00.000+02:00</published><updated>2005-08-17T17:47:06.046+02:00</updated><title type='text'>Urlaub</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir fahren weg. Mit ungekämmten Haaren verlassen wir die unaufgeräumten Schreibtische. Vergessen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Wohnung ist die Luft rein. Gestern wurde die Lüftungsanlage im Haus gewartet. Und in jeder Wohnung das Abzugsloch in Bad und Küche gereinigt. Die Abzugshaube abgestaubt. Mit weißem Kunststoff ausgelegt. In der Küche mit einem Metallgeflecht. Damit die Stichflamme aus der Bratpfanne nicht durch den Lüftungsschacht unser ganzes Orwellhaus in Brand setzt. Eine tröstliche Aussage. Den Mann, der sie traf, kenne ich. Er kommt alle Jahre wieder. Immer mitten im August. Wenn alle Nachbarn im Urlaub sind. Er erklärt mir immer wieder mit den gleichen Worten die Wirkung der Lüftungsanlage. Der Schaumstoff, den er auswechselt, ist immer schwarz. Da passiert gar nichts mehr. Sagt der Mann mit der blauen Latzhose. Das ist so, wie wenn Sie das Ding mit Klebstreifen zukleben. Besonders schlimm - seine Zunge löst sich immer nach diesem Punkt - sei das in Wohnungen mit jungen Mädchen. Was soll das heißen? Er strahlt mich an. Ich bin eine alte Frau. Die jungen Mädchen brauchen Haarspray. Ach, sage ich verdutzt. Ist das nicht längst vorbei? Der Spray verklebt den Schaumstoff. Denn die Lüftung saugt das Zeug aus der Luft. Alle sechs Stunden wird die Luft in der Wohnung umgewälzt. Das ist mir zu kompliziert. Sage ich ihm jedesmal. Und er überreicht mir mit einer leichten Verbeugung einen Ersatzschaumstoffstreifen. Gegen Weihnachten, empfiehlt er, auswechseln. Was ich dann auch brav tue. Gestern war er besonders gut gelaunt. Denn die Arbeit kam zwei Stunden früher als geplant zu ihrem Ende und die Männer ins Erdgeschoss. Sag ich doch, beharre ich, alle Jahre wieder, dies ist die ungünstigste Zeit im Jahr für eine Lüftungswartung. Er lacht. Zweiunddreißigtausend. Zweiunddreißigtausend Wohnungen würde er im Jahr "machen". Da kann keine Rücksicht auf Jahreszeit genommen werden. Er verlässt mit erhobenem Zeigefinger meinen Flur. Und meine unfertigen Gedanken. Und meine unausgesprochenen Fragen. Und die unabgestaubten Bücher an den Wänden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir fliegen auf die Insel. In Glasgow soll am Freitag die Sonne scheinen. Ich nehme keinen Regenschirm mit.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-112429113598774325?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/112429113598774325/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=112429113598774325' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112429113598774325'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112429113598774325'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/08/urlaub.html' title='Urlaub'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-112403013257538410</id><published>2005-08-14T16:34:00.000+02:00</published><updated>2005-08-15T09:58:01.793+02:00</updated><title type='text'>Sonntagsgruß 2</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kurz nach Mitternacht. Ich liege im Bett und höre Nachrichten. Ich warte auf das Wetter. Nach dem Wetter lasse ich noch ein paar Minuten verstreichen und das Nachmitternachtsprogramm anlaufen. Bis im Norddeutschen Rundfunk die Wasserstandsberichte heruntergebetet worden sind. Dann rufe ich, wie immer, W. an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Wahlkampfgeschrei eines angeblich „süddeutschen Separatisten“ läßt mich kalt, auch die aufgebrachten Reaktionen darauf. Das betrifft mich nicht. Das Wort „Separatist“ holt aus meinem müden Kopf leider Bilder aus meinem sauberen Heimatland hervor. Grüne Hügel und Pferdeherden. Die Schweizer Separatisten waren Jurassier. Ihnen gelang es, lang ist’s her, sich vom Kanton Bern loszusagen und ihren eigenen Kanton Jura zu gründen. Dadurch entstand eine „bernische Enklave“ – das Laufental. Weitab von Bern, umspült von den Kantonen Jura und Solothurn, dem Halbkanton Baselland und, einem winzigen Streifen Landesgrenze entlang, Frankreich. Zwanzig Jahre nach der Gründung des Kantons Jura schloss sich das verlorene Laufental endlich dem Halbkanton Baselland an. Separatisten sorgen für Rochaden in einem eigentlich festen Gefüge. Der Halbkanton Baselland, in dessen Kantonshauptstadt ich aufgewachsen bin, kann als einziger der 26 sogenannten helvetischen souveränen Einzelstaaten innerhalb der seit 1815 unverändert gebliebenen Landesgrenzen einen Gebietszuwachs (von immerhin 21 %, die Hälfte davon Wald) verzeichnen, ohne Anwendung von Gewalt, ohne Blutvergießen, auf dem Weg einer praktizierten Demokratie. Die Meldung, von der Nachrichtensprecherin mit unverändert emotionsloser Stimme vorgetragen, dass Erika Steinbach ihr umstrittenes Zentrum gegen Vertreibungen in der St. Michael Kirche in Berlin Mitte unterbringen will, reißt mich aus meinen Kinderträumen. Dass dafür das seit 60 Jahren zerstörte Mittelschiff wieder aufgebaut werden soll. Und der Pfarrer, für den zu DDR-Zeiten in Plattenbaumanier eine Wohnung an die erhalten gebliebene Wand des „Querhauses“ geklatscht wurde, vertrieben. Der heutige Tagesspiegel zitiert einen Bistumssprecher: „Solange es sich um eine entwidmete Kirche handelt, ist aus Sicht des Bistums eine Nutzung als Gedenkort vorstellbar“. Heute früh beim Tai Chi hörte ich die Gemeinde singen und beten. Bis vor wenigen Monaten wurden hier auch Gottesdienste in polnischer Sprache abgehalten. Eine polnische Gemeinde hatte es hier immer gegeben. Seit dem Bau der Kirche. Seit der Eröffnung der Kirche. Seit dem Bau der Mauer. Seit dem Fall der Mauer. Der Engel auf dem Glockenturm ist unter anderem der Patron des Deutschen Volkes. Auf dem Ostpreußentreffen im Mai soll Erika Steinbach verkündete haben, man habe eine „wunderschöne Immobilie“ gefunden. Eine Kriegsruine aus rotem Backstein, die jahrzehntelang am Rande des Todesstreifens stand. Neben einem klobigen Wachturm. Niemand kam je auf die Idee, das Mittelschiff für lebende Menschen wieder aufzubauen. Das Plattenpfarrhaus ist Gott sei Dank von außen nicht zu sehen. Und jetzt, wo Schwäne im Engelbecken heranwachsen, die Reiher sich mit den Enten arrangieren, das Schilf in den Himmel schiesst und im Café am Engelbecken bei schönem Wetter sich die ganze Welt trifft, jetzt soll die Kirche als „Zentrum gegen Vertreibungen“ wieder rekonstruiert werden?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W. hat sich die Zeiten des Ostseehochwassers gemerkt. Er erzählt mir, wie immer, eine Gutenachtgeschichte. Ich falle augenblicklich in einen tiefen Schlaf. Ich träume, dass ich in Krakau mein Zimmer beziehe.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-112403013257538410?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/112403013257538410/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=112403013257538410' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112403013257538410'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112403013257538410'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/08/sonntagsgru-2.html' title='Sonntagsgruß 2'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-112220357400961574</id><published>2005-07-24T13:10:00.000+02:00</published><updated>2005-07-24T13:12:54.013+02:00</updated><title type='text'>Sonntagsgruss</title><content type='html'>&lt;a href="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/1600/imm029_30.jpg"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4091/739/320/imm029_30.jpg" border="0" alt="" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-112220357400961574?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/112220357400961574/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=112220357400961574' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112220357400961574'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112220357400961574'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/07/sonntagsgruss.html' title='Sonntagsgruss'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-112184004557251833</id><published>2005-07-19T22:12:00.000+02:00</published><updated>2005-07-20T08:14:05.580+02:00</updated><title type='text'>Das zweiäugige Pferd</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Großvater Paul hat mein einäugiges Pferd geheilt. Mit sicheren Fingern. Warmer Hohlhand. Geduld. Und oberaargauischberndeutschem Gemurmel. Das Stirnfellhaar fiel allmählich aus. Die Haut über dem neugierig springenden Augapfel wurde fahl und spröde. Paul schmierte sie täglich mit Hirschtalg ein. Und beugte so Verletzungen der Kranzgefäße vor. Die Stirn durfte nicht platzen. Die Äderchen nicht bluten. Die Haut musste weichen. Und als erstes stacheligen Pferdewimpern Platz machen. Als der glänzende Augapfel hervortrat, dunkelbraun und unergründlich, schlug das Pferd erschrocken aus und galoppierte davon. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das zweiäugige Pferd vollführt wilde Sprünge. Seine Welt hat sich geweitet wie der untere Stirnhautlappen. Es ist rücksichtslos und schreckhaft geworden. Es wirft seinen alten Pfleger immer wieder ab. Undankbar und verwundert. Seit es mehr sieht, hört es weniger. Die Morgenritte sind Paul nicht mehr zuzumuten. Das Pferd scheut bei allen Überraschungen, auch jenen, die von links kommen. Der Rücken meines Großvaters ist krank. Die Kraft seiner Hände erschöpft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Welt ist wie ein Buch und hat mehr als zwei Seiten. Mein Pferd ist umgezogen. Und stampft nun ungeduldig in seiner Koppel in Schönefeld. Sonja berichtet, die Felder seien bereits abgeerntet. Viel Platz zum Traben vorhanden. Die anderen Pferde allerdings, obwohl aus Island, Irland, Tirol, Russland, Polen und allen deutschen Bundesländern, verhielten sich zickig gegenüber dem Zugereisten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum soll es Pferden besser ergehen als Menschen? Das Leben ist eine rein sprachliche Angelegenheit. Mein zweiäugiges Pferd muss im Chor wiehern lernen. Ich muss reiten lernen und mich um die gebrochenen Knochen meines Großvaters kümmern. Kürzlich fragte mich die Verkäuferin am Brotstand bei Kaiser’s, woher ich denn käme. Ich kaufe seit sechs Jahren hier mein täglich Brot. Denke ich. Unlauterer Wettbewerb. Aus Bayern? Sie lacht und ist am frühen Morgen bereits bestens gelaunt. Weil viele Menschen anstehen, die noch nicht gefrühstückt haben. Die frischen Schrippen purzeln brennendheiß aus dem Ofen. Die Papiertüten, in die sie gesteckt werden, verglühen auf der Stelle. Seit neuestem müssen wir Spitzbrötchen verlangen. An der Brottheke bei Kaiser’s. Es wimmelt hier von Zugezogenen. In der ehemaligen Luisenstadt. Es hängt nur von der Aussprache ab, ob wir verhungern oder nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein zweiäugiges Pferd ist in Schönefeld angekommen. Mein Großvater in Pennsylvania braucht Zuspruch.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-112184004557251833?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/112184004557251833/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=112184004557251833' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112184004557251833'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112184004557251833'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/07/das-zweiugige-pferd.html' title='Das zweiäugige Pferd'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-112135645696446980</id><published>2005-07-14T17:53:00.000+02:00</published><updated>2005-07-14T17:54:16.973+02:00</updated><title type='text'>Strandpartie</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin ist auf Sand gebaut. Auf rieselnden märkischen Sand. Berlin hat keinen festen Untergrund. Berlin ist offen und reich an natürlichen Sandstränden. An vielen fließenden und stehenden Gewässern. Natürlichen Strandbars und Badeseen. Angefangen vom Großen Wannsee und Großen Müggelsee im Süden bis hin zum Plötzensee, Weißen See, Schäfersee, Waldsee, Heiligensee, Hubertussee, Malchower See, Laßzinssee, dem Badesee Arkenberge und wie sie alle heißen. Stecken überall Füße im Sand. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem wurden diesen Sommer ein paar hundert Tonnen Sand in die historische Mitte Berlins gekarrt. Eineinhalb Meter hoch aufgeschüttet auf dem leeren Platz vor dem asbestbesetzten Palast der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Ausgerechnet hier musste die diesjährige Beachvolleyball-Weltmeisterschaft stattfinden. Mit Blick auf den Berliner Dom, den Lustgarten, einen Springbrunnen (immerhin), auf das alte Museum, eine oder zwei echte Schinkelkirchen und auf die unzerstörbare Fassade eines Hauptstadtrepräsentationsbaus eines nicht mehr existierenden Staates. Umtost vom Berliner öffentlichen und privaten Verkehr. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist zur Mode geworden, im Sommer Lastwagenweise Sand in Europas Großstädte zu kippen. Während der Großen Ferien sperren fürsorgliche Stadtväter mehrspurige Schnellstraßen im Zentrum, möglichst am Fluss entlang führende natürlich, und bauen den Daheimgebliebenen einen kilometerlangen Sandstrand vor die Nase. Mit allem was dazugehört, Liegestühlen, Hängematten, Sonnenschirmen, Brunnen mit Trinkwasser, meterlangen Wasserzerstäubern, Spielplätzen, Kletterwänden, Boules-Feldern, Promenaden, Kuss-Alleen, Cajpirinja-Buden, Sand und Palmen. So verwandelt sich in Paris die Schnellstraße „Georges Pompidou“ am rechten Seine-Ufer, gegenüber der Ile-de-la-Cité, auf 3,5 Kilometern in „Paris Plage“. In Brüssel nennt sich der Stadtstrand an der Senne lapidar „Bruxelles les bains“. In Prag wird Sand entlang der Moldau im südwestlich gelegenen Stadtviertel Smichov verteilt. Wien besitzt auf der Donauinsel den längsten natürlichen Stadtbadestrand (42 Kilometer) innerhalb einer europäischen Großstadt. An der Alten Donau können sich zudem Nudisten auf mehreren zusätzlichen Kilometern im Sand ausbreiten. Rom schüttet auf bescheidenen 180 Metern Länge und sechs Metern Breite Fluss-Sand hinter der Piazza Navona am Tiber auf, rechts und links des „Ponte Umberto I.“ Und so weiter und so fort. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschen aus richtigen Sonnenländern lachen sich halbtot. Ihre Flüsse vertrocknen im Sommer. Und die Mittagspause verbringen sie lieber hinter geschlossenen Fensterläden. Umweltforscher warnen vor Turbulenzen im solaren Magnetfeld und irdischen Löchern in der Ozonschicht. Und Dermatologen haben herausgefunden, dass fast alle Sonnenschutzmittel schädlich sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Berliner schert das wenig. Millionenteure Sandanschaffungsmassnahmen kann sich die Stadt eh nicht leisten. Und ein verordnetes Stadtstrandleben mit Öffnungszeiten, Eintrittsgeldern, Absperrungen, Badetaschenkontrollen, Sichtblenden, Glasflaschenverbot und Abendkonzerten hat hier keine Chance. Ein paar Kübel Sand reichten aus, um unter den Fenstern des Bundeskanzleramtes den Bundespressestrand zu eröffnen. Wer seinen nackten Bauch in die Sonne streckt, trägt erwiesenermaßen keinen Sprengstoffrucksack auf dem Buckel. Das wussten schon die Erbauer des asbestverseuchten Palastes der ehemaligen Republik: nackte Menschen in diesem Land sind harmloser sind angezogene. Und so schießen sie aus dem märkischen Sand wie Brennesseln, die Beach Bars und Playa Paradiese King Kameamea, Cocktailfactory Zeitlos, Oranke Orange, Karma Beach, Heinz Minki, Europabar am Oststrand, Freischwimmer und wie sie alle heißen. Früher (letztes Jahr oder vorletztes) war es noch so, etwa in der Strandbar Mitte, dass „voll“ war, wenn alle Liegestühle besetzt waren. Heute hockt man sich unbekümmert in den Sand. Auf das verdorrte Gras. Auf harte Ufersteine. Die neuen Strandbars duften wie eine Alpwiese. Sie kennen keinen Konsumzwang. Keinen Liegestuhlzwang. Keinen Tischplatzzwang. Man darf sich selbst bedienen an den vorhandenen Bars. Jeder kann aber seine eigene Kiste Bier mitbringen. Kindergeburtstag feiern. Torte aufschneiden. Ferkel braten. Sand ist meist irgendwo noch vorhanden, aber längst nicht mehr einzig identitätsstiftend für das Berliner „Füße-in-den-Sand-stecken“-Gefühl. Im Kiki Blofeld an der Köpenicker Straße hinter dem Autohändlerhof hängen Kristalllüster in den Bäumen. Stehen schwere Designer Möbel auf dem Dach eines Bootsunterstandes. Unten kann man, wenn es regnet und die Spree nicht gerade Hochwasser führt, in Plüschsesseln versinken oder auf roten Teppichen wandeln.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-112135645696446980?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/112135645696446980/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=112135645696446980' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112135645696446980'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112135645696446980'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/07/strandpartie.html' title='Strandpartie'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-112117563263122746</id><published>2005-07-11T15:39:00.000+02:00</published><updated>2005-07-12T15:40:32.646+02:00</updated><title type='text'>„Die Wand“</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin seit Tagen antriebsschwach. Hatte Papierkram zu erledigen. Und Papierberge zu verschieben. Durch die ganze Stadt. Und durch das halbe Leben. Durch jenes halbe Leben, das hier ausgespart wird. Papier hat in meinem Fall nichts mit Schreiben zu tun. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Samstag Nacht, während einer trübsinnigen Rückfahrt vom Grunewald mit diversen Pendelzügen, fing ich „Die Wand“ an. Ich musste lesen, um mich zu beschäftigen. Um meine Augen auf etwas zu fixieren. Um dem Ekel in den schmutzigen S-Bahn-Zügen keine Chance zu geben. Auf mein ausgezeichnetes Abendessen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Die Wand“, ein Roman von Marlen Haushofer, erstmals erschienen 1963. Eine Frau tötet einen Mann – alles andere ist unwichtig. Sie erschießt ihn mit dem Jagdgewehr. Sie kennt ihn nicht. Hat nie ein Wort mit ihm gesprochen. &lt;br /&gt;Auf über zweihundert Seiten lernen wir die Frau kennen, die sich in einer Ausnahmesituation befindet: der Rest der Welt ist von einem Unglück getroffen worden. Die Frau ist eines Morgens in einer Hütte in den Bergen von einer unsichtbaren Wand umgeben und scheint die einzige Überlebende zu sein. Außerhalb der Wand, das kann sie sehen – denn sie hat Augen im Kopf und besitzt ein Fernrohr, Bergschuhe, eine Jagdflinte, diverse Vorräte und klettert die Ränder der Wand ab, steigt auf Aussichtspunkte – gibt es kein Leben mehr. Ihr Hund Luchs ist bei ihr, eine trächtige Katze läuft ihr zu, ebenso eine trächtige Kuh. Die Streichhölzer, rechnet sie aus, würden für fünf Jahre reichen. Sie setzt Kartoffeln, Bohnen, trinkt Milch, entdeckt im Wald Himbeeren und Winteräpfel. Holz ist für die ganze Ewigkeit im Wald vorhanden. Die Kartoffeln reichen nicht für Hund und Herrin. So erlegt sie, widerwillig, Rehe. Die Kuh bekommt einen Stier. Zwei Sommer verbringen sie – immer innerhalb der gläsernen Wand – auf der Alm. Am Ende des zweiten Sommers, auf Seite 223 erschlägt ein Mann am Abend auf der Almwiese mit einer Axt den Stier. Die Frau war den ganzen Tag mit Luchs unten im Tal gewesen. Hatte die Wiese neben ihrer Hütte gemäht. Gras für den Winter getrocknet. Als sie mit dem Hund hochkam, war der Stier tot. Und der fremde Mann stand neben ihm. Luchs sprang dem Mann an die Kehle. Der Mann erschlug den Hund. Die Frau erschoss den Mann. &lt;br /&gt;Auf Seite 226 endet der Bericht. „Es ist kein Blatt Papier übriggeblieben“. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich fing an zu lesen, um meinen Magen zu schonen. Das Klebrige am Boden, die zerkratzten Fensterscheiben, die schmierigen Griffe, die aufgeschlitzten Sitze nicht zur Kentnis zu nehmen. Es ist alter Dreck. Uralter Dreck. S-Bahn-Waggons werden nie geputzt. Heut früh entdeckte ich, als ich den Müll in den dritten Stock trug, dass auch in unserem Orwellhaus am Wochenende ins Treppenhaus gekotzt wird. Wohin auch sonst. Die Müllabwurfstelle im zweiten Stock meide ich und steige schnaufend mit meinem Eimer immer noch eine Treppe höher. Denn sie ist versaut. Und verstopft. Seit wir hier eingezogen sind. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Die Wand“ hat mich einen Tag lang nicht mehr losgelassen. Ich las das Buch unter dem Erzengel aus. Spürte das Grausen. Im kühlen Erzählen einer Frau, die an den Tod nur glaubt, wenn sie ihn sieht. „Weil ich den Tod meiner Kinder nicht gesehen habe, bildete ich mir ein, sie wären noch am Leben. Aber ich sah, wie Luchs erschlagen wurde. Ich sah das Hirn aus Stiers gespaltenem Schädel quellen  ...“ Der Mann hingegen interessiert sie nicht. Weder tot noch lebendig. „Was immer er auch gewesen sein mochte, jetzt war er nur tot.“ Sie lebt in einer gewissenlosen Welt. In einem rechtsfreien, nur zum Himmel hin offenen Raum. Nur eine Frage beschäftigt sie noch: „Ich möchte wissen, warum der fremde Mann meine Tiere getötet hat.“ Weil sie nicht mit dieser Frage im Kopf den ganzen Winter am Tisch sitzen mag, fängt sie an, ihren Bericht niederzuschreiben. Auf die Rückseite von alten Kalenderblättern und auf vergilbte Briefbögen. Bis alles Papier ihrer Welt vollgeschrieben ist. Und die Frage „Ich möchte wissen, warum ich einen Mann getötet habe“, nirgends mehr Platz findet.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-112117563263122746?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/112117563263122746/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=112117563263122746' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112117563263122746'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112117563263122746'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/07/die-wand.html' title='„Die Wand“'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-112059399460333358</id><published>2005-07-04T19:05:00.000+02:00</published><updated>2005-07-05T22:06:34.613+02:00</updated><title type='text'>Das eindimensionale Ich</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich war ein paar Tage in Stralsund. Habe im Sund gebadet. Mir einen unschuldig goldenen Teint geholt. Beim morgendlichen Tai Chi am Wasser. Und finde jetzt bei der Rückkehr auf dem Schreibtisch eine alte Frage von W. Hingeworfen auf die Schreibunterlage. Wahrscheinlich während eines nächtlichen Telefongesprächs. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unser Gedankenaustausch ist natürlich gestört, weil wir uns oft zwei, drei Wochen gar nicht sehen und dann wieder 5 Tage und Nächte am Stück zusammen sind. Dadurch geraten wir leicht aus dem Häuschen. Und vergessen schon mal die wichtigsten Dinge des Lebens. Wie Wohnungsschlüssel. Kreditkarten. Oder Pinguine.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwann, wahrscheinlich von einer Konferenz, einem Hotelzimmer oder einem Flughafen dieser Welt aus, hat mich W. nachts aufgeregt angerufen, weil ihm gerade in jenem dunklen Moment aufgegangen war, dass das Englische für „Ich“ zwei Begriffe kennt: „I“ und „me“. Dass das englische Ich mehrdimensional ist. Im Gegensatz zum deutschen Ich. Welches immer nur eintönig Ich ist. Dass man im englischen mit „I“ eher aus dem Innern spricht, mit „me“ hingegen eher aus dem Äußern. Was immer das heißt. Das Veräußerlichte, Abstrakte. Ich. Aus der Distanz. Betrachtete. In der Höflichkeit. Ich. Durch die Verfremdung. „It’s me“. Das Entfernen von sich selbst. Und immer noch „ich“ meinen. Oder sein wollen. Was weiß ich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W. wollte damals – wie lange mag das bloß her sein? – in seiner vollmondnächtlichen Euphorie von mir wissen, ob es das im Deutschen auch gäbe. Eine gespaltene Ich-Aussage. Eine kreative Ich-Perspektive. Das Ich als Raum. Mehrdimensional. Mit Ecken und Kanten. Schärfen und Spitzen. Oder im Polnischen. Ich war überrumpelt. Aus meinen Gedanken gerissen. Ich hatte bestimmt gerade wieder einmal in Japan geweilt. Meine Nachtspaziergänge absolviert. Auf einer Straßenkreuzung in Toyama auf den Kuckucksruf gewartet. Ich wollte meine schwarzen Schuhe putzen. Da ist mir ein „portable premium liquid shoe polish black“ in die Finger gekommen. Made in Korea. Aber gekauft im Hundert-Yen-Shop in Tsukuba. Wessen Hände steckten noch vor Ostern in Berlin alles aus unseren Koffer in die richtigen Schubladen? Keine Ahnung. Sage ich perplex. Darüber muss ich nachdenken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W.’s Nachbar in Stralsund ist blind. Und wohnt mit seiner sehenden Frau im Erdgeschoss. Wir im dritten Stock haben Aussicht über die Schrebergärten auf den Sund und auf Rügen. Am frühen Abend sehen wir die Hiddenseefähre übers Wasser Kurs auf die offene Ostsee nehmen. Beim Abwaschen blendet mich die untergehende Sonne noch um halb zehn Uhr abends. Um Mitternacht leuchtet am Horizont immer noch ein poesieblauer Lichtstreifen. Für uns Sprachlose im dritten Stock. Wo ist das englische „me“ in der deutschen Sprache abgeblieben? Der Nachbar unten sieht gar nichts. Ich fragte ihn, als er einzog. W. fand meine Frage taktlos. Ich aber wollte es wissen. Ob er die Stufen zählt. Oder sieht. Als Schatten. Ob er mich erkennt oder meine Stimme. Er weiß, wieviele Schritte er bis zu seinem Briefkasten zu gehen hat. Ich weiß das nicht. Ich habe keine Ahnung, wie viele Stufen mich im Fahrradkeller von meinem Schlafzimmer im dritten Stock trennen. Gestern früh sah ich ihn entschlossenen Schrittes das Haus verlassen. Die Frau am rechten Arm. Statt des Blindenstocks. Die Badetasche am Rücken. Auf dem Weg zum Strand. Ich bin sicher, er führte die Frau. Ich bin sicher, er weiß genau, wieviele Schritte sie beide auf geteertem Boden tun, bevor sie Sand erreichen. Nicht sie. So bestimmt habe ich noch nie jemanden die Welt am Sonntag durchschreiten sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das eindimensionale Ich. W. und ich sind kein eingespieltes Paar. Du blind. Ich Blindenstock. Oder umgekehrt. Wir haben keine eingespielte Sprache. „I“. „Me“. „Ich“. „Ja“. Ich denke immer noch über das „Ich“ bei Konwicki nach. Er spricht mit mir und ich sage verständnislos: „du kannst ruhig deutsch mit mir sprechen“. Die wichtigsten Fragen stehen unbeachtet auf der Schreibtischunterlage. Ich denke über eine literarische Konstruktion des Ich nach, ganz gleich welcher Sprache. Ein „Ich“-Erzähler kann weder im Englischen, Deutschen, Polnischen oder Japanischen allwissend sein. Im Gegensatz zu allen Ich‘s, die wir alltäglich auf der Straße, in der U-Bahn, im Regionalzug, antreffen und die leicht alkoholisiert bereits am frühen Morgen verkünden: „Ich? Ne!“ oder „Ich? Denkste!“ oder „Ich? Mit mir nich!“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Ich-Erzähler in einem Roman kann nicht allwissend sein. Das versuchte ich einmal einer Handvoll Studenten der Polonistik beizubringen. Keiner hat mich verstanden. Ein Ich-Erzähler kommt nicht aus seiner Haut. Nicht aus seiner Perspektive. Nicht aus seiner Sprache. Heraus. Ein Ich-Erzähler kann nichts wissen über die anderen Figuren, geschweige denn über die dargestellte Welt. Er kann nur mutmaßen. Subjektiv. Und mal falsch, mal richtig interpretieren. Letztendlich muss sich aber der Ich-Erzähler irren. Der Dramaturgie wegen. Denn über ihm steht – unweigerlich – der Autor. Und der hat seine eigenen Interessen. Seine eigenen Dimensionen. Der Ich-Erzähler ist eine zum Scheitern verurteilte Kreatur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und doch. Wenn Konwickis literarische Figur von sich behauptet „Ich heiße Piotr, weil ich in dem Jahr geboren wurde, in dem alle Mädchen auf den Namen Agata getauft wurden und alle Jungs auf den Namen Piotr“, dann hat dieses Erzähler-Ich ein erweitertes, allgemeines Bewusstsein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich warte auf ein Gewitter. Die Wohnungsschlüssel wird mir W. per Post nachschicken.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-112059399460333358?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/112059399460333358/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=112059399460333358' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112059399460333358'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112059399460333358'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/07/das-eindimensionale-ich.html' title='Das eindimensionale Ich'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-112006657334996074</id><published>2005-06-28T18:34:00.000+02:00</published><updated>2005-06-29T19:36:13.350+02:00</updated><title type='text'>Flotte Lotte</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zuversicht stellt sich so unvermittelt wieder ein, wie man ein Telefonbuch aufschlägt. Meine neue Frisöse heißt Birgit. Sie schnitt mir heute die Haare. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Birgit sagt, ihr fehlten Worte. Für Frisuren. &lt;br /&gt;Ich bin verblüfft. Du hast doch Kataloge. Zeitschriften. Trends und Moden. &lt;br /&gt;Sie legt die Schere beiseite. Schaut nach im Handbuch der Saison. Es ist so dick wie mein Telefonbuch. Nur die Haarfärbfarben haben dieses Jahr Namen. Die Strähnchentöne. Die Lockenwickler. Anschauliche Namen. Unanschauliche Pastellfarben. Appetitanregende kunterbunte Kunstnamen. Die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Einsilbig abgetönte Mischfarben. Wie Aprikosenschaum. Oder Bitterklee. Malvenmousse. Blutbuchenzauber. Zimtstengelmatt. Pfirsichblütenstaub. Joghurtnamen. Namen aus dem italienische Eiscafé nebenan. Aus der Milchprodukteabteilung. Der leichten Quarknachspeisen im Kühlregal. Birgit ist unentschlossen. Ich will weder einen Namen noch eine Farbe auf meinen Kopf. Die Frisöse legt das Buch aus der Hand. Verlässt den Salon. Bestellt beim italienischen Kellner zwei Milchkaffee im Glas. „Wir nehmen uns Zeit für Haare“, steht im Schaufenster. In Spiegelschrift. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frech kann eine Frisur nicht sein. Meint Birgit. Mit der Schere in meinem Nacken. Eine Frisur ist kein Gefühl.&lt;br /&gt;Ich rühre mich nicht. Frech ist kein Gefühl. Frech ist eine Ungezügeltheit. Und umso mehr kann eine Frisur nicht frech sein. Die Sprache ist altmodisch. Sage ich. Und schwerfällig. Ein Vehikel, das nicht ohne Buchstaben auskommt. Jedes Wort hinkt dem Haarschnitt unweigerlich nach. Unbeholfen. Und ungehobelt. „Sexy“ ist das einzige Adjektiv, welches das Handbuch der Köpfe dieses Sommers kennt. Eine sexy Frisur. Birgit ist enttäuscht. Die Frauen auf den Fotos sehen zerzaust und stachelig aus. Ungekämmt. Und unausgeschlafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu kurz, sagt die Frisöse, sieht zu sportlich aus. Und wundert sich, dass der letzte Schnitt so lange gehalten hat. &lt;br /&gt;Ist das nicht normal? Eine dämliche Frage. Wo soll denn der Haarschnitt hin? In die neue Rechtschreibung? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Flott, bekennt Birgit, gefällt mir. Es ist ein Wort aus den siebziger Jahren. Sie schnippelt wild an meinen Fransen. Die herabregnenden Haarspitzen kitzeln. Ich schließe die Augen. Und blättere im Geist. Im etymologischen Wörterbuch. Flott gehört dort in die Seemannssprache. Seine Ausgangsbedeutung ist „obenauf schwimmen“. Das Adjektiv gewinnt im 18. Jahrhundert allgemeine Verbreitung und entwickelt die übertragene Bedeutung von „lebensfroh, munter“. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meinetwegen. Murmle ich plötzlich zuversichtlich. Flott. Eine flotte Frisur. Eine flotte Sommerfrisur.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-112006657334996074?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/112006657334996074/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=112006657334996074' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112006657334996074'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112006657334996074'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/flotte-lotte.html' title='Flotte Lotte'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-112006639580577236</id><published>2005-06-27T21:31:00.000+02:00</published><updated>2005-06-29T19:33:15.813+02:00</updated><title type='text'>Tinnitus</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letzte Woche ist mir meine Zuversicht abhanden gekommen. Gleichzeitig ist das Klirren im rechten Ohr verstummt. Ich kann die seismometrischen Registrierungen meiner inneren und äußeren Organe nicht mehr deuten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorletzte Woche pilgerte ich zu einer Hals-Nasen-Ohren-Ärztin im Osten der Stadt. Legte mich an fünf Tagen hintereinander auf die Pritsche in ihrem Behandlungsraum und ließ mir eine durchsichtige Flüssigkeit in die Venen des rechten Armes träufeln. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Hälfte meines Lebens verschweige ich. Einer unaussprechlichen Gerechtigkeit wegen. Um das mathematische Gleichgewicht von Wort und Unwort zu wahren. Und aus Rücksicht auf meinen Großvater in Amerika. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Täglich tropften 250 ml HAES 6% in meinen Blutkreislauf. Anschließend fuhr ich mit dem Fahrrad über den Alexanderplatz nach Hause. Ein braches Lastwagenfeld. Am zweiten Tag entdeckte ich einen ungefährlicheren Weg. Und traf auf Karl Liebknecht in Bronze. Er zeigt mit dem nicht ganz ausgestreckten rechten Arm stumm nach Osten. Bekleidet nur mit einem groben Arbeitskittel. Steht er an der Ecke Hirtenstraße - Karl-Liebknecht-Straße. Auf den Steinbänken hinter dem Denkmal ruhten sich täglich Rentner aus. Ich wagte nie, sie zu fragen, wer der kalte Riese wirklich sei. Ein Namenstäfelchen konnte ich nirgends entdecken. Keine Jahrzahl. Kein Wort des Lobes. Oder Dankes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Täglich lag ich dort 45 Minuten und schwieg. Hörte die Stimme der Praxishilfe. Am Telefon. Oder nebenan. Vor dem grauen Stoffvorhang. Hinter dem ich an die weiße Decke starrte. Wenn sie Ohren spülte. Ohren wärmte. Ohren zum Hörtest führte. In die schalldichte Zelle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst auf der Alexanderstraße fühlte ich mich jeweils wieder in Sicherheit. Sie ist auf ihrer ganzen Länge aufgerissen und für jeden Verkehr gesperrt. Fahrräder werden an der monströsen Baustelle vorbei auf dem Bürgersteig bis zur Brückenstraße geleitet. Ausgerechnet mitten auf den mehrspurigen Kreuzungen fürchtete ich immer am meisten, dass die unscheinbare Fremdflüssigkeit mit meinem Organismus etwas Unumkehrbares anstellen könnte. Ich hielt mich an alle Verkehrsregeln und trat nur bei grün los. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Durchblutung des Innenohrs muss verbessert werden, erklärte die Ärztin. Das Ohr tickt immer noch wie eine Schweizer Präzisionsuhr, wiederholte ich stur. Während sie mir die Nadel setzte. Ich dürfe mich nicht auf das Geräusch konzentrieren. Mahnte sie. Aber ich will doch wissen, ob es noch da ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eineinviertel Liter chemisch ausgewogener und nebenwirkungsfreier Flüssigkeit. Freiwillig in meiner Blutbahn. Tinnitus ist keine Krankheit. Tinnitus ist beileibe kein Herzinfarkt im Ohr. Tinnitus ist nicht heilbar. Ich trage die Zweifel an der Diagnose nach Hause und lege mich ins Bett. Die Tabletten, die sie mir zuerst verschrieben hatte, setzte ich nach eineinhalb Tagen ab. Mein Kreislauf stand Kopf. Und an meine Schädeldecke schlug die vor einem halben Jahr vom Seebeben vor Sumatra ausgelöste Welle. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich sterbenselend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe keinen Tinnitus. Vorletzte Woche tobten in meinem rechten Ohr die Vorboten der Zuversicht, die ich letzte Woche verlor.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-112006639580577236?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/112006639580577236/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=112006639580577236' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112006639580577236'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/112006639580577236'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/tinnitus.html' title='Tinnitus'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111972731980886938</id><published>2005-06-25T21:20:00.000+02:00</published><updated>2005-06-29T19:37:51.340+02:00</updated><title type='text'>Gänsemarsch</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Konwickis Tagebuch von 1974 ist gar kein Tagebuch. Vom Jahr 1974 erzählt der Tagebuchschreiber so gut wie gar nichts. Er selbst nennt es sogar „Lügentagebuch“. Aber Lügen erzählt er auch nicht. Ich mache mir nur noch Gedanken über mein Konzept. Für das dritte Buch über meinen Meister.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Hitze heute hat mich erschlagen. Weit nach Mitternacht kam ich mit dem Fahrrad von Neukölln nach Hause. Zur Zeit wird es nachts weder kalt noch dunkel. Am Nachmittag zersprang mir der Kopf. Ich legte mich ins Bett. Stellte den Wecker auf halbfünf. Länger als eine Stunde sollte man tagsüber nicht in Schlaf versinken. Und dann kam das Gewitter. Die Temperatur sank blitzartig um 15 Grad auf erträgliche 21. Berlin ist ein Sammelsurium von Welten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich hatte völlig vergessen, dass mein Meister seinen Meister hatte. Stanisław Dygat. Ist ja ganz normal. Und so bewegen wir uns im Gänsemarsch durch die Ewigkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Tagebuch von 1974, das kein Tagebuch ist, sondern so etwas sie ein Selbstfindungsbuch, ein Umgebungsfindungsbuch, ein Vergangenheitsfindungsbuch – oder gar ein Selbst-Erfindungsbuch, ein Umgebungs-Erfindungsbuch, ein Vergangenheits-Erfindungsbuch, schreibt mein Meister, Konwicki, wen wundert’s, ausführlich über, nebst vielen anderen, seinen Meister, Dygat. Ein Meister ist eben ein Meister. Dem wird Platz eingeräumt. Im Leben. Und im Werk. Also auch in der Konstruktion der literarischen Selbstdeutung. 1976 erschien „Kalendarz i klepsydra“. Das war damals normal. Manuskripte hatten lange Korridore zu durchschreiten. Auch normal war, dass Konwicki nie mit jemandem darüber sprach, was er gerade schrieb. Nicht einmal sein Meister wusste, was Konwicki im Jahr 1974 nachts an der Górskistrasse trieb. Und dann war dieser Meister, der zwei Meter lange dicke Dygat, so empört über die Passagen des gewitzten schmalbrüstigen Ziehsohnes zu seiner Person, dass er bis kurz vor seinem Tod kein Wort mehr mit Konwicki sprach. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W. ist im Anflug auf Schönefeld. Berlin ist ein Sammelsurium von Möglichkeiten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zensur strich aus dem Manuskript eine Textstelle, in der Konwicki berichtet, dass er zweimal im Leben geohrfeigt wurde. Einmal vor dem Krieg. Auf dem Pausenhof von einem älteren Schüler. Und einmal nach dem Krieg. Im Januar 1968 von einem polnischen Milizionär. Ich weiß, dass diese Ohrfeigenszenen in Konwickis Romanwerk herumgeistern. Es fällt mir auch nicht schwer, sie genau zu lokalisieren. Aber was heißt das? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin ist ein Sammelsurium von Grenzwerten. Ich weiß keine Anekdoten über meinen Meister zu erzählen. Ich rufe ihn ungefähr einmal im Monat an. Ich sage ihm nicht, dass ich noch ein Buch über ihn schreibe.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111972731980886938?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111972731980886938/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111972731980886938' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111972731980886938'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111972731980886938'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/gnsemarsch.html' title='Gänsemarsch'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111954083154547877</id><published>2005-06-23T17:31:00.000+02:00</published><updated>2005-06-23T17:33:51.576+02:00</updated><title type='text'>Sauerkrautsaft</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Polen ist alles easy. Ich schrieb eine email an meinen Freund Wojtek, der sich seit Jahren mit dem Literarischen von Eisenbahnfahrplänen beschäftigt. Und eine email an Frau Indyk. Wäre diese Frau nicht Verlagsleiterin in Krakau, sondern lebte in der mehr oder weniger freien Wildbahn, dann könnte sie zu Weihnachten gefüllt, gestopft, gebraten oder gebacken werden. Für die Ornithologen ist Indyk nämlich Truthahn. Aber ich will einen literaturwissenschaftlichen Essay über Konwickis narratives Ich schreiben. Wojtek verfasst, wie gehabt, das Vorwort dazu. Und Frau Indyk meint, ja dann schreiben Sie mal. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt trinke ich vor dem Essen ein Gläschen Sauerkrautsaft. Das beruhigt die Nerven. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich weiß nicht, warum ich überhaupt noch deutsch schreibe. Ich weiß nicht, warum ich überhaupt verheiratet bin. Ich weiß nicht, warum ich überhaupt. Hier. Bin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kürzlich in der Nacht, als ich mit Tanja Dückers über den Alex nach Hause fuhr, konnte sie sich auf dem Fahrrad vor unserem Orwellhaus überhaupt nicht mehr einkriegen vor Staunen, dass wir beide, Wessis!, freiwillig in einen ostberliner Plattenbau gezogen sind. &lt;br /&gt;So ein Gedanke ist mir noch nie im Leben gekommen. Dass ein Wessi nicht in einen Plattenbau ziehen könnte. Ich bin ja keine Wessa. Auch keine Ossa. Ich bin gar nichts. Gehöre weder hierhin noch dorthin. Ich bin vielleicht eine Swissa. Oder eine Aussa. Oder eine Südda. Ja, ich stamme aus dem Süden. Das ist unverfänglich und geografisch korrekt. Wolfgang hingegen ist ein waschechter Weddinger, ein nordwestberliner Arbeiterkind. &lt;br /&gt;Und dann verstand ich auch endlich, warum Tanja, die ja nicht auf den Kopf gefallen ist und nur drei Häuserecken weiter in Kreuzberg wohnt, bei unserer Abschiedsparty am 25. Dezember nicht erschienen ist. Weil sie unsere Wohnung nicht gefunden hat. Weil sie den Michaelkirchplatz nach einem westberliner fünfstöckigen Altbau abgesucht hat. Die sind aber alle beim letzten Bombenangriff im Februar 1945 in Schutt und Asche gelegt worden. Sie sei, schrieb sie mir in einer verzweifelten email am 26. Dezember, eine halbe Stunde in der Kälte herumgeirrt und habe nirgends die Nummer 23 gefunden. Ich konnte das damals überhaupt nicht verstehen. Wir wohnten ja noch nicht in Japan, wo es tatsächlich weder Hausnummern noch Straßennamen gibt. Jetzt ist es mir klar: Tanja Dückers hatte einfach eine Wegfahrsperre im Kopf – so wie alle blitzblanken Autos vor meinem Balkon am Lenkrad. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Wessis in den Osten ziehen und zwar richtig. In die Platte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt setze ich mich vormittags eine Stunde auf den Balkon und lasse mir die Sonne auf den Buckel brennen. Damit ich etwas Wärme in die Haut kriege. Mein Ehemann ist am Dienstag nach Eastbourne geflogen. Zur Atlas-Konferenz. Weilte er in Stralsund bei seiner Arbeit, wäre ich längst zu ihm gefahren. Mit meinem kleinen Kummer kann ich ihm aber nicht über den Golfstrom nachflattern. Ich bin kein ornithologisches Fluggerät. Und keine Mastgans. Also sitze ich auf dem Balkon, halte Zwiesprache mit meinem Erzengel und lese Konwicki. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und trinke vor dem Essen ein Gläschen Sauerkrautsaft. Das fördert die Verdauung. In Polen ist alles easy.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111954083154547877?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111954083154547877/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111954083154547877' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111954083154547877'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111954083154547877'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/sauerkrautsaft.html' title='Sauerkrautsaft'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111947267402975397</id><published>2005-06-22T22:36:00.000+02:00</published><updated>2005-06-22T22:37:54.036+02:00</updated><title type='text'>Mein Meister</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Meister in Warschau hat heute Geburtstag. Ich rief ihn früh an. Denn später ist er immer schlecht erreichbar. Er war aufgeräumt. Fröhlich. Ließ mich nicht zu Wort kommen. Munterte mich auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Meister heißt Tadeusz Konwicki. Er ist einer der wichtigsten Schriftsteller und Filmemacher des polnischen zwanzigsten Jahrhunderts. Im Rest der Welt vorwiegend unbekannt. Ich schrieb über ihn – über sein literarisches Werk – meine Doktorarbeit. An unserer Hochzeit in Warschau vertrat er den Brautvater. Er verheiratet mich an einen Deutschen. Und tat dies so ungern, wie es mein eigener Vater auch getan hätte. Mittlerweile hat er aber verstanden, dass W. eigentlich ein Asiate ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er hat ja so recht. Mein Meister in Warschau. Dass ich ihn heute früh nicht zu fragen brauchte, wie es ihm gehe. Er ist so alt wie meine Mutter, 79. In einem Jahr, beschloss ich heute früh, nachdem ich getröstet den Hörer aufgelegt hatte, muss mein drittes Buch über ihn erschienen sein. Futur II. Das narrative Ich als produktive Obsession. Welchen Beschränkungen unterliegt ein Ich-Erzähler? Wieviel Wahrheit verkündet ein autobiografisches Ich? Über diese Fragen habe ich schon Jahre nachgedacht. Im Mai ist Konwickis Tagebuch von 1974 erstmals in der unzensierten Fassung erschienen. Das Material ist vollständig. Ich habe keine Ausrede mehr. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Tagebuch von 1974. „Kalendarz i klepsydra“ = „Kalender und Sanduhr“. Konwicki schrieb es, als er so alt war wie ich heute. Damals hatte er bereits seine ganze offizielle Karriere hinter sich. Mit dem nächsten Manuskript ging er in den Untergrund. Dort blieb er fast zehn Jahre. Danach kam bald die Wende. Und seither schweigt Konwicki. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Meister Tadeusz Konwicki. Ich lernte ihn im April 1984 in Warschau kennen. Saß verschüchtert zum ersten Mal in seinem Wohnzimmer. Er im Schaukelstuhl. Ich radebrechte Polnisch. Er schenkte mir ein Buch, „Kalendarz i klepsydra“ – die zensierte zweite Auflage von 1982. Mit der Widmung: „Für Judith B., der ich Erfolg in Polen und in der Polonistik, aber auch im Leben wünsche – Tadeusz Konwicki, Warszawa 7.4.1984“. Damals war ich noch nicht mit Herrn A. verheiratet. Und hieß B. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Meister. Mein erstes Buch in Deutsch, die sechshundert Seiten starke Doktorarbeit, hat einen unaussprechlichen Titel. Das zweite, in Polnisch, ist schmal und bescheiden illustriert. Es heißt lapidar „Mój Konwicki“ - „Mein Konwicki“. Das dritte, Polnisch und im Futur II gehalten, wird ganz auf Fotos und überflüssige Worte verzichten. Und einen hinterlistigen Titel tragen müssen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Mai war ich in Warschau. Kaufte mir den neuen alten „Kalender“. Reihte mich nach der Buchpräsentation geduldig in die sozialistische Warteschlange ein. Bat meinen Meister um eine Widmung. Er würdigte mich grimmig keines Wortes. Keines Blickes. Überlegte keine Sekunde. Schrieb zügig, was er mir nach einundzwanzig Jahren zu sagen hatte. Und griff nach dem nächsten Exemplar. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich ließ das Buch stundenlang, tagelang nicht aus den Augen. Bis ich endlich wagte, auf dem Rückweg, im Warschau-Berlin-Express, es aufzuschlagen. „Meine liebe Judith, Du weißt alles! Tadeusz Konwicki 18.5.2005“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sto lat – auf hundert Jahre!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111947267402975397?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111947267402975397/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111947267402975397' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111947267402975397'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111947267402975397'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/mein-meister.html' title='Mein Meister'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111942357471659803</id><published>2005-06-21T20:57:00.000+02:00</published><updated>2005-06-22T09:00:22.576+02:00</updated><title type='text'>Sandkasten</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt absolut nichts zu schreiben. Die Banalität des Alltags. Seit zwei Tagen lärmt in unserem sonst so beschaulichen Hinterhof, zwischen unseren sozialistischen Orwellblöcken ein kleiner Löffelbagger. Gestern trug er den Sand aus dem Spielplatz ab, schaufelweise. Der Motor jaulte jedesmal erbärmlich, wenn er die Anhöhe zur Abenteuerhängeleiteranlage hochfuhr. Dann starb er ab. Und fuhr rückwärts mit gefülltem Maul wieder runter, bog um die engen Kurven, raste unter den Kastanienbäumen geradeaus vor die Häuser, vor die Ruine der Kirche, vor den Erzengel Michael. Und spuckte den Dreck einfach auf die Straße. Heute früh kippte ein Lastwagen zwei frische Sandberge direkt vor meinen Balkon auf die freien Parkplätze unserer Nachbarn. Röhrte und tobte. Und sog dann den alten Dreck auf. Während der Kinderbagger die neuen Berge abtrug, suppenlöffelweise. Mit aufjaulendem Motor. Durch die stillen Häuser und blühenden Linden. Verteilte der Baggerführer den von Hunden noch nicht verschissenen Sand gleichmäßig im Kinderspielplatz. Im Schatten des Kletterdachs stand sein Gehilfe und dirigierte mit nacktem Oberkörper.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kinder sehe oder höre ich hier selten spielen. Sie sind mit der DDR ausgestorben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111942357471659803?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111942357471659803/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111942357471659803' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111942357471659803'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111942357471659803'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/sandkasten.html' title='Sandkasten'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111900678597695326</id><published>2005-06-17T06:17:00.000+02:00</published><updated>2005-06-19T22:57:48.796+02:00</updated><title type='text'>Großvaters Geburtstag</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Großvater Paul hat heute Geburtstag. Er schläft noch, da er auf der anderen Seite der Welt lebt. Vor dem Frühstück wird er mit meinem einäugigen Pferd über die Felder reiten. Danach wird er sein Stirnfellhaar glätten und murmelnd den linken Augapfel trösten. Die Gesichtshaut beginnt sich allmählich abzulösen. Über der gewölbten Stelle. In vielen tausend hauchdünnen Schichten. Das geschlossene Auge verlangt unendlich viel Geduld. Von mir. Von Großvater. Von seiner Hand und seinen Fingerspitzen. Vom Sprunggelenk. Vom Schweif. Von den Nüstern und Oberlippen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Großvater Paul wird heute 91 Jahre alt. Im Traum habe ich ihm schon alle Geschenke überreicht. Großmutter Hanni kam gerade vom Frisör und ihr schneeweißes Haar duftete wunderbar. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor einem Jahr gratulierte ich Herrn B. zum 90. Geburtstag. Und wohl schon im Jahr davor zum 89. Herr B. ist der einzige Mensch auf der ganzen Welt, der mir die direkte Verbindung zu einer literarischen Figur herstellen konnte. Meine Romanfigur war Herrn B.‘s Großtante. Und Herrn B.’s zukünftige Frau lernte als pausbäckiges Mädchen mit dicken schwarzen Zöpfen bei dieser Großtante Englisch. Eine segensreiche Investition in die Zukunft. Denn die gestrenge Lehrerin prüfte ihre Schülerin auf Herz und Nieren. Ob sie ihrem Lieblingsneffen, Klein Päuli, eine gute Gattin abgäbe. Und Herr B. beschloss Jahre später, ich war wahrscheinlich gerade erst großvaterlos in Liestal auf die Welt gekommen, mit Frau und drei Kindern nach Amerika auszuwandern. Wie erleichtert war ich, dass Herr B. in Pennsylvania heute ohne Scheu Computer, Email und Internet nutzt. So wie er als junger Käser in Ägypten mit sensiblen Milchkühen und eigensinnigen Stieren umzugehen wusste. Ein furchtloser Mensch, mein Großvater! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Metamorphose vieler Gedankengänge. Die Verwandlung von Gefühlen wie Angst oder Schmerz. Das Klirren in meinem rechten Ohr ist gestern früh verstummt. Heiko hat nach dem Tai Chi seine Hand vor mein Ohr gehalten. Nur so. Währen wir noch im Akazienhof herumstanden und überlegten, ob wir uns drinnen oder draußen hinsetzen wollten. Zu unserer donnerstäglichen Latte macchiato. Er wollte spüren, „ob da etwas ist“. Aber da war nichts mehr. Die Abwandlung von Wörtern und Namen. Als ich Herrn B. auf der Rückreise von Japan in New Holland besuchte, nannte ich ihn Paul. Vom ersten Augenblick an. Etwas anderes wäre überhaupt nicht in Frage gekommen. Erst als ich wieder in Berlin war und mit dem Erzengel auf dem Glockenturm sprach, spürte ich, dass mir etwas fehlt. Dieses Gefühl kann man, wenn es richtig schmerzt, Sehnsucht nennen. Und das, was mir fehlte, war Paul. Erst als ich längst wieder weit weg von ihm war, verstand ich, dass er mein Großvater ist. Die Begrifflichkeit von Lebensläufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Großvater Paul feiert heute seinen 91. Geburtstag. Ich bin stolz auf ihn und vermisse seine starken Hände. Ich danke ihm, weil er mein einäugiges Pferd pflegt. Weil er mit Engelsgeduld und Berndeutsch sein linkes Auge öffnet. Damit ich es eines Tages abholen kann. Und durch die Personenkontrolle am Flughafen Dulles mitnehmen darf. Auf meinem Berliner Balkon blühen Blumen, die ich nicht gepflanzt habe. Sie fanden ihren Weg aus der letztjährigen Erde in den Kästen allein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich gratuliere Dir herzlich, lieber Großvater Paul, und wünsche Dir alles Gute, schmerzfreie Tage, unbeschwertes Atmen. Und uns beiden eine virenfreie Standleitung.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111900678597695326?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111900678597695326/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111900678597695326' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111900678597695326'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111900678597695326'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/grovaters-geburtstag.html' title='Großvaters Geburtstag'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111881497890681082</id><published>2005-06-14T20:54:00.000+02:00</published><updated>2005-06-15T07:56:18.916+02:00</updated><title type='text'>Unausgeglichen</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute beim Tai Chi neben dem Erzengel habe ich plötzlich gespürt, dass meine linke Hand, ja mein ganzer langer linker Arm, in der Lage sind, einen Raum zu bilden. Vor meinem Körper. Und um meinen Oberkörper herum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oft habe ich das Gefühl, dass eine Bewegung in die eine Richtung, auf der einen Seite, besser gelingt, als in die andere.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dass ich gespalten bin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ticken. Es hat nur das rechte Ohr besetzt. Und dennoch denke ich, muss es Japan sein. Japan im Allgemeinen. Japan überhaupt. Japan pur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sommer ist da. In Berlin. Abends um zehn Uhr ist es noch hell. Das ist aber auch alles. Von diesem Sommer. W. in Stralsund hat Schnupfen und Halsschmerzen. Zuviel „gequatscht“, sagt er und lacht etwas gequält. Sturmböen werden vorausgesagt für die Ostseeküste. Und in den bayerischen Alpen Nachtfrost. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe es nie aufgeschrieben. Dass der letzte Arbeitstag in Tsukuba von einem ganz anderen Schrecken besetzt war, als von dem „undramatischen Naturereignis“ auf Rügen. Die Wissower Klinken waren abgebrochen und in die Ostsee gestürzt. Die Wohnungsabnahme hatte in der Früh stattgefunden. Wir hatten unsere Schuldigkeit getan. Wir sollten nicht mehr telefonieren. Ich wartete den ganzen Tag auf die elektronische Kofferwaage. Nicht nur wir zogen Ende Februar aus dem Ninomiya-House aus. Der Professor war zu seinen beiden letzten wichtigen Terminen nach Tokyo gefahren. Bereits am Vormittag, nach dem „final payment“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um 14:30 Uhr klingelte das Telefon. Ich dachte, es sei die Verwaltung. Die Kofferwaage. Die Erleichterung. Das Ende allen Abwägens. Beide Koffer müssen 20 kg schwer sein. Aber es war eine Tokyoter Sekretärin. Die mich immer wieder bat, zu warten. Den Hörer weglegte und wahrscheinlich im Wörterbuch nach dem nächsten Wort blätterte. Und mir schließlich zu verstehen gab, dass der Professor noch nicht eingetroffen sei. Ihr Chef warte seit einer halben Stunde. Es gelang mir, die englische Frage in ihrem Hirn zu plazieren, ob sich denn ihr Büro direkt an der Tokyo-Station befände. Sie nickte akustisch. Ich legte auf. Ich wusste nur, dass der erste Termin direkt an der Tokyo-Station stattfinden sollte. Ich konnte mir in diesem Land weder Namen noch Institutionen merken. Nur Wege. Zugänge. Straßenüberquerungen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum war der Professor, der kurz nach zehn Uhr im Regen das Ninomiya-House verlassen hatte, bis halb drei noch nicht an der Tokyo-Station eingetroffen? Das war die Frage, die mir für den Rest des Nachmittags in den Ohren lag. Der Bus brauchte normalerweise anderthalb Stunden. Und alle zehn Minuten fuhr ein Bus von Tsukuba Center los. Also hätte der Professor noch lange pünktlich sein können, auch wenn der Bus unerwartet mehr als doppelt solange gebraucht hätte. Im Stau. Weiß der Himmel wo. Durch meinen Kopf schossen viele Bilder. Und Gedanken. Und Kombinationen von beidem. Die ich hier nicht wiederzugeben brauche. Am vorletzten Tag in einem Land plötzlich auf sich allein gestellt zu sein. Ich versuchte zu funktionieren und kühl auf die Kofferwaage zu warten. Ich schrieb meinen vorletzten Blogeintrag. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Telefon klingelte nach fünf Uhr ein zweites Mal. Ich dachte, es sei der Professor. Die Erklärung. Die Erlösung. Das Ende allen Abwägens. Wider aller Vernunft. Aber es war die Verwaltung, die freitags nur bis vier Uhr arbeitet. Ich erhielt Instruktionen, von wem ich die Kofferwaage erhalten würde und an wen ich sie weitergeben möge. Ich nickte. Notierte die Appartementnummer des indischen Biologen. Tränenlos. Ich besaß nicht einmal eine Telefonnummer von Aoki-san. Die Verwaltung arbeitet nicht mehr bis Montag früh. Nur die Internetleitungen stehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Falls der Professor an keiner Stelle dieses Landes wieder auftauchen würde. Was sollte ich dann mit den zwei gewichtsmäßig ausgeglichenen Koffern tun? Der Professor musste annehmen, dass das Telefon in Appartement 2107 abgeschaltet worden sei im Moment, als er sich zum Busbahnhof aufmachte. Es gab keinen Grund für ihn, mich anzurufen. Er würde wie verabredet, am Abend zurückkommen. Ich konnte ihn nicht anrufen. Wir sollten nicht mehr telefonieren. Und er besaß in diesem Land kein Mobiltelefon. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am letzten Arbeitstag in Tokyo. Vom Erdboden verschluckt. Oder in die Ewigkeit abberufen. Am Tag vor seinem Geburtstag. Ich hatte keine Ahnung. Gegen neun Uhr saß ich in der kalten Bibliothek und postete meinen unschuldigen Blog. Da kam er daher. Wie ich es mir gewünscht hatte. Aber der kühle Verstand sprach den ganzen Nachmittag gegen Wünsche und Gefühle. Da kam er daher. Lächelnd. Durchnäßt. Müde. Mit dem Taxi von Tsukuba Center. Um schneller bei mir zu sein. Er hätte den ganzen Tag im Stau gestanden. Und ich in Todesängsten. Er verstand mich nicht gleich. Nahm mich in seine Arme. Er konnte nicht wissen, dass mich eine Sekretärin angerufen hatte. Woher wusste die unsere Privatnummer? Wunderte sich der Professor. Eine andere gibt es nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir gingen zu Otaru Zushi. Zum letzten Mal Sushi essen. Ich konnte mich lange nicht beruhigen. Warum sich die Bar mit Z schreibt, habe ich bis heute nicht verstanden.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111881497890681082?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111881497890681082/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111881497890681082' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111881497890681082'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111881497890681082'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/unausgeglichen.html' title='Unausgeglichen'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111861216352116995</id><published>2005-06-12T23:34:00.000+02:00</published><updated>2005-06-13T16:26:42.260+02:00</updated><title type='text'>Sonntagsbesuche</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Frühstück bei Schwiegereltern in Charlottenburg. Dann W. zum Bahnhof Zoo begleitet. Und mit dem Intercity bis Ostbahnhof im Erstklassabteil mitgefahren. Dort küsste ich meinen Mann und stieg aus dem Zug wieder aus. Unsere Sonntagsabschiede. Der 147-Bus war gerade weg. Also nahm ich die S-Bahn. Eine Station bis Jannowitzbrücke. Und kehrte zu Fuß nach Hause zurück. Mit einem kleinen Umweg um den Bärenzwinger im Köllnischen Park. Die Bären hatten Mittagessenszeit und grapschten Weintrauben und Melonenstückchen aus den Bäumen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwiegervater ist von der Krankheit gezeichnet. Schwiegermutter hat die Geduld verloren. Ihn lassen die Spannungskopfschmerzen nicht mehr los. Sie klagt über Kreuz und Knie. Er sagt immer weniger. Sie hört immer schlechter. Ein leiser Rückzug in die Ewigkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Berliner Stadtbären sind unsere Nachbarn. Das hatte ich zeitweilig vergessen wie den Erzengel auf dem Glockenturm von unserem Orwellhaus. Nur Japan ist nach wie vor überall. Vorgestern kam in der Süßigkeitendose aus bemaltem Spanholz in Form eines Schweizer Alphornbläsers (ein Geschenk meiner Schwester an ihren Berliner Schwager) eine angebrochene Meiji Milk Chocolate (Milchschokolade) zum Vorschein. Neben einer angebrochenen Wedel Czekolada Gorzka (Bitterschokolade). Heute nachmittag entdeckte ich auf dem Schreibtisch, an dem ich täglich meine emails abrufe, zwei Feuerzeuge. Ein schwarzes „Romantic Hokkaido“. Und ein weißes, mit einem zierlichen schwarzen Hahn und zwei aseptischen Kanji-Zeichen. Niemand raucht bei uns. Aber W. deckt sich in jedem Land, in jedem Hotel, in jedem Souvenirshop mit nützlichen Dingen wie Schreibpapier, Streichhölzern und Gästezigaretten ein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwiegervater kann noch immer nicht verstehen, dass sein jüngerer Sohn mit „Quatschen“ Geld verdient. Er selbst hat seiner Lebtag viel und schwer auf Schultern und im Nacken getragen. Als Zimmermann. Und nun zerspringt ihm auf die alten Tage der Kopf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unsere Nachbarn, der amtierende Stadtbär Tilo und die Bärinnen Maxi und Schnute, werden täglich um 12:30 Uhr gefüttert. Kaum jemand weiß, dass das Berliner Wappentier, der Berliner Bär, lebt. Und bei uns um die Ecke wohnt. Unweit der Spree. Im Schatten des Märkischen Museums. In einem ehemaligen Straßenreinigungsdepot. Das 1938 zum Bärengraben umgebaut und ausgehoben wurde. Bis heute will sich kaum jemand tatsächlich daran erinnern, dass der Berliner Bärengraben am 17. August 1939 offiziell eröffnet wurde. Die ersten Bären waren ein Geschenk der Schweizer Bärenstadt Bern: die Bärin Vreni und der Bär Urs. In der DDR-Geschichtsschreibung wurde die Eröffnung des Berliner Bärenzwingers um 10 Jahre nach vorne verlegt. So machte sich die Sache besser in den Schulbüchern. Wie hätte man den Kindern erklären sollen, dass hier Herz gezeigt wurde, für Mensch und Tier, während kaum zwei Wochen später die Ostgrenze überschritten und der fürchterlichste Krieg in der Geschichte der Menschheit losgetreten wurde? Das Berner Bärenpaar hatte sich noch nicht an der Spree eingelebt, als an der Weichsel bereits die Kapitulation verkündet wurde. Vreni und Urs überlebten, wie so viele, das Bombengewitter vom 3. Februar 1945 über der Luisenstadt nicht. Und Bern schenkte dem neugegründeten „deutschen Teilstaat” 1949, nach der Wiederherstellung des Bärenzwingers im Köllnischen Park, erneut ein Bärenpaar, Nante und Jette. Und bis heute werden die Bären um 12:30 gefüttert. Bekommen, zur körperlichen Ertüchtigung und zur Belustigung des Publikums, Früchte und Trockenfisch in die Bäume gehängt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der zweihundert Kilo schwere Tilo war missmutig. Spürte die Spannung in der Luft wie mein Schwiegervater. Drehte schweigend seine Runden. Vertrieb Spatzen und Stadttauben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W. war, als ich ihn anrief, bereits in Bernau.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111861216352116995?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111861216352116995/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111861216352116995' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111861216352116995'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111861216352116995'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/sonntagsbesuche.html' title='Sonntagsbesuche'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111835405013835977</id><published>2005-06-09T23:52:00.000+02:00</published><updated>2005-06-10T10:03:06.886+02:00</updated><title type='text'>Fünfräppler</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Schweiz soll, lese ich heute in der gestrigen Basellandschaftlichen Zeitung, das kleinste Geldstück abgeschafft werden. Der goldfarbene „Fünfräppler“. Ich frage mich, warum. In Deutschland ist nach der Einführung des Euro das geplante Umgewöhnen in den Köpfen und Fingern der Kauffreudigen – weg von der Ein- und Zweicentmünze – nicht gelungen. Unter anderem wegen der 69- und 28-Centpreise von Aldi, Penny, Lidl und wie sie alle heißen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beim Tai Chi haben wir heute die Form abgeschlossen. Das Ende von Teil drei kam so plötzlich, dass wir alle ganz verdutzt dastanden und fast bedauernd unsere sinkenden Hände aus den Augen verloren. Seit zweieinhalb Jahren lernen wir die dreiteilige Form im sogenannten authentischen Yang-Stil. Erde, Himmel, Mensch. Was immer das heißt. Aufrichtung wie ein Baum. Ausdehnung wie ein Ball. Und jetzt sind wir durch. Nach den Sommerferien fangen wir wieder von vorne an. Vertiefungsstufen. Yin-Yang. Armspirale. Beinspirale. Halsspirale. Wir möchten es alle nicht mehr missen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Isliberg erschlug ein Mann seine Frau und seine zwei Kinder mit massiven Hammerschlägen auf den Kopf in der Nacht im Schlaf. Am Morgen stürzte er sich von der Lorzentobelbrücke 60 Meter tief in den Tod. Die Familie, heißt es, sei vor vier Jahren, als das jüngere Kind zur Welt kam, in das neue Einfamilienhaus-Quartier gezogen und habe als „Vorzeige-Familie“ gegolten. Als Grund wird „berufliche Überforderung“ des Täters angenommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Glarner Großmutter, die uns zu Weihnachten Goldvreneli schenkte, gab uns Enkelkindern einen Satz ins Leben mit: „Wer den Rappen nicht ehrt, ist des Franken nicht wert.“ Mit Erfolg. Ich kriege den Satz nicht mehr aus meinem Kopf. Und mit mir ein paar Millionen Schweizer Kinder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Oberiberg tötete am frühen Morgen ein 59-jähriger Schweizer seine 51-jährige Gattin im Treppenhaus eines dreistöckigen Mehrfamilienhauses und anschließend sich selbst im Keller. Mit einem Küchenmesser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit zweieinhalb Jahren verbringen wir Donnerstag vormittag eineinhalb Stunden zusammen. Rhea, der Posaunenspieler Heiko und ich sogar bis zu drei Stunden. Wir setzen uns nach dem Tai Chi ins Café Bilderbuch und besprechen unsere Lage. Die Knieschmerzen. Das Wundern im runden Ellbogen. Den aufgerichteten Beckenboden. Wenn die Ferien anfangen, lassen wir uns betrübt aus den Armen. Rhea aus Maui steigt in die U-Bahn an der Eisenacherstraße. Heiko fährt mit der S-Bahn zu Musikschule. Ich nehme mein Fahrrad. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ende des Fünfräpplers kommt, weil Swissmint sagt, seine „Gestehungskosten“ seien höher als sein Wert. Die Migros fürchtet Aldi. Die Metzger fürchten Aldi nicht. Schweizer Milchbauern, die EU-Land bewirtschaften, können Flächenbeiträge für Futtergraswiesen beantragen. Dafür werden ihnen die Schweizer Subventionen gestrichen. Die EU zahlt pro Hektare Grünland 70 Euro. Die Schweizer Direktzahlungen belaufen sich für im Ausland gelegenes, „angestammtes“ Land auf derzeit mindestens 900 Franken pro Hektare. Also fast zehnmal so viel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich verstehe die Welt nicht mehr.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111835405013835977?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111835405013835977/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111835405013835977' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111835405013835977'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111835405013835977'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/fnfrppler.html' title='Fünfräppler'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111826677851877982</id><published>2005-06-08T23:38:00.000+02:00</published><updated>2005-06-09T23:57:08.706+02:00</updated><title type='text'>Undankbar</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe einen Großvater in New Holland, einen Meister in Warschau und einen Ehemann in Stralsund. Ich bin emotional abgesichert. Auf der ganzen Welt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Japan sitzt mir auf. Seit einigen Tagen wieder. Im Ohr. Obwohl ich es gestern in Form einer leeren Haarshampooplastikflasche aus unserem Badezimmer verbannt zu haben glaubte. Japan grinst im Bücherregal. Zwischen Wörterbüchern. Lehrbüchern. Stadtplänen. Reiseführern. Englischer Belletristik und großformatigen Bildbänden. Die Fachzeitschriften und wissenschaftlichen Publikationen thronen im Arbeitszimmer in Stralsund. Japan hockt im Küchenschrank. Neben Teedosen und Gewürzmühlen. Liegt auf dem Klavier. Im unordentlichen Notenhaufen. In den Shamisen-CDs. Neben Stockhausen und Holst. Hält die halbe Festplatte des Laptops besetzt. Japan wächst. Wie ein Geschwür. In unseren Körpern. W. sagte am Wochenende, dass er die zwei Monate in Tsukuba eigentlich für sein China-Buch gebraucht hätte. Abgabetermin: Ende August. Der Luxus aseptischer Räume und eines sonnenreichen Winters bereitet uns im Nachhinein schlaflose Nächte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Japan dröhnte in meinem Kopf. Nach meinem Verzicht auf Kyoto. Setzte sich etwas in meinem Ohr fest. Ein unmerkliches hohes, klares Klirren. Ein leises Ticken. Regelmäßig wie das Uhrwerk des asiatischen Swatchimitats am Handgelenk. Mit Aussetzern. Mit dem Verdikt des Professors, ich sei undankbar. Eine unheilvolle Verkettung von Unwille und Unwort. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich liebe es, durch eine flache Gegend zu fahren. Dabei kann ich meine Gedanken sortieren. In einer Landschaft ohne Berge. Im Zug nach Stralsund ist mir klar geworden, dass es Japan ist. Das Klirren des Schulmädchenkitsches. An Handtaschen. Rucksäcken. Frau Funcks Gefinger an den Glöckchen ihres Mobiltelefons. Während eines ganzen Abendessens im Ryokan Kikugawa auf Miyajima. Im besten Haus vor Ort. Hätte ich mich doch dort nicht beherrscht und stumm Austern geschlürft, sondern die Kollegin meines Mannes angeherrscht, ob sie denn nicht endlich Ruhe geben könnte. Dann bebte am 16. Februar die Erde in Tsukuba und Japan verstummte sofort in meinem Ohr. Ich erklärte mir das damals so, dass ich das Rumoren der Erde bereits Tage im Voraus gehört hatte. So wie ich ja auch einer Wiese anhören kann, ob sie einsam ist oder nicht. Undankbar. Und überheblich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt ist das klare Klirren, sauber wie das ganze Land, wieder in meinem Ohr. Und ich weiß nicht, was es zu bedeuten hat. Ich warte auf ein Erdbeben. Mein amerikanischer Großvater war ein paar Tage im Krankenhaus. Mein polnischer Meister schreibt seit Jahren nicht mehr. Mein deutscher Ehemann ist fleißig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Angst vor dem Tod ist eigennützig. Es ist die Angst vor dem Tod anderer. Die Angst davor, allein zurückzubleiben. Überheblich. Und undankbar.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111826677851877982?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111826677851877982/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111826677851877982' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111826677851877982'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111826677851877982'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/undankbar.html' title='Undankbar'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111817866027515310</id><published>2005-06-07T23:09:00.000+02:00</published><updated>2005-06-07T23:16:58.410+02:00</updated><title type='text'>Auf dem Behandlungsstuhl</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um sieben Uhr in der Früh liege ich ausgestreckt auf dem Patientenstuhl der Zahnklinik. Lasse mir klaglos Zahnstein entfernen und Verfärbungen wegputzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um zwanzig vor sieben sass ich in einer überfüllten U-Bahn Richtung Potsdamer Platz. Dicht gedrängt versuchten alle, sich die tropfenden Regenschirme vom Leib zu halten. Über dem Erdboden ging gerade ein Jahrhundertunwetter nieder. Die Erkenntnis dieses unfreundlichen Junimorgens: Menschen, die Arbeit haben in dieser Stadt sehen keineswegs glücklicher aus als Menschen, die keine haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Dentalhygienikerin erzählt von den Leiden einer arbeitenden Mutter. Kindergartenplätze für knapp Einjährige gäbe es in diesem Land keine. Ich kann dazu nicht Stellung beziehen. Mein Mund ist versperrt. In meinem Kopf explodieren Geräusche verschiedenster Art.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um zehn vor sechs stand ich unter der Dusche und wusch mir mit den letzten Tropfen des japanischen Shampoos die Haare. Aus dem Radio plätscherte BBC mit einer Reportage über einen Mann, der 25 Jahre lang zu Unrecht im Knast war. Verhaftet hatte man ihn, als er 15 war. Dann ist er jetzt, ich rechne mit geschlossenen Augen, 40 und frei! Ich habe erst hier begriffen, warum es im 100-Yen-Shop in Tsukuba Plastikaugenabdeckhauben für Kinder zu kaufen gibt. Weil das japanische Shampoo so ätzend ist. Ätzender als alles, was man hierzulande zu kaufen kriegt. Dennoch bin ich sparsam damit umgegangen und habe es mir bis heute aufbehalten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern in der Badewanne in unserer Stralsunder Wohnung. Das norddeutsche Inforadio berichtet davon, dass in Japan seit 80 Jahren um 6:30 Uhr dieselbe Musik gespielt wird, mit demselben Zweck: Morgengymnastik für alle. In einer modernen Coffee-Shop-Kette wird die bekannte Melodie um 8:30 Uhr in allen Filialen, Fabriken, Bürogebäuden wiederholt. Ein Angestellter sagt ins Mikrophon, keiner würde dazu gezwungen, aber alle machten mit. Eine Frau lacht und bekennt, dass es heute ganz andere Möglichkeiten gäbe, sich fit zu halten, aber die Entspannungsübungen nach der Melodie aus dem Radio seien wichtig, eine Art gemeinsames Ritual am Morgen. Gleich danach würden die Abteilungsleiter zur ersten Sitzung aufrufen. Und ein dritter bekannte, dass er, kaum höre er die Musik, automatisch aufstehe und die Bewegungen mache. Mein Schlafwandlerland!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Hirn kracht gerade ein Kratzen an die Schleimabsauggeräusche. Die arbeitende Mutter fragt, ob die Salzlösung zu kalt sei. Ich bewege andeutungsweise meinen Kopf von rechts nach links. Der Mensch hört auch mit den Zähnen. Mit den freiliegenden Zahnhälsen. Mit den Schädelknochen. Dem Hinterhauptsbein. Der Nackenmuskulatur. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Regen ist wie weggeblasen, als ich nach einer Stunde auf die Stresemannstraße trete. Ich habe nicht die geringste Lust auf die verdrießlichen Gesichter in der Berliner U-Bahn und gehe zu Fuß nach Hause. Durch die Kochstraße, die Oranienstraße und durch das Engelbecken. Es sind nur noch vier kleine Schwäne da. Im Schilf steht stolz der Reiher, der schon letztes Jahr hier den Sommer verbracht hat. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Mittag, als ich mir ein Lachsbrötchen zubereite und aus Langeweile auf Deutschlandradio umschalte, höre ich den bereits bekannten Ritualgymnastikbeitrag. Die 80-jährige japanische Tradition turnt sich gerade durch die deutschen Sendeanstalten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111817866027515310?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111817866027515310/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111817866027515310' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111817866027515310'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111817866027515310'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/auf-dem-behandlungsstuhl.html' title='Auf dem Behandlungsstuhl'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111771763967091586</id><published>2005-06-02T15:06:00.000+02:00</published><updated>2005-06-02T15:07:19.673+02:00</updated><title type='text'>Ostsee</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein gestimmtes Klavier ist wie eine Wohnung nach dem Frühlingsputz. Dennoch fahre ich bereits heute wieder weg. In die ungeputzte Wohnung nach Stralsund. W. braucht auch Zuwendung.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111771763967091586?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111771763967091586/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111771763967091586' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111771763967091586'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111771763967091586'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/ostsee.html' title='Ostsee'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111769482311439828</id><published>2005-06-01T23:45:00.000+02:00</published><updated>2005-06-02T08:58:03.680+02:00</updated><title type='text'>Der Stimmkeil</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maria K. sprach schon vor langer Zeit die tröstlichen Worte gelassen aus, dass mein Horoskop ab Juni Besserung verspräche. Also bestellte ich für heute den Klavierbauer, der vor fünf Vierteljahren das hundertjährige Liegnitz in Klötzchen zerlegt unter den wachen Augen des Erzengels in meine Wohnung hineintrug. Er kommt aus Kasachstan. Gestand er mir vorhin in der Küche. Und weiß sich deshalb zu helfen. Er hatte den Stimmkeil in der Werkstatt vergessen, was ihn ziemlich ärgerte, und schnitt mit dem chinesischen Hackbeil meines Privatkochs gekonnt einen gebrauchten Radiergummi zurecht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann stimmt der kasachische Klavierbauer mein Klavier. Immer, wenn ich ihn rufe, kommt er sofort. Nimmt als erstes die vordere Verschalung und die Tastaturabdeckung ab. Zwei Handgriffe und der Brustraum ist offen. Und mein Zimmer sieht aus wie seine Werkstatt. Er schlägt das A an. Prüft den Ton mit dem elektronischen Messgerät. Er ist verstimmt. Zu tief. Wen wundert’s. Er stopft ein rotes Band zwischen die Diskantsaiten am Stimmstock. Damit sie verstummen. Die erste Oktave stimmt er mit dem Gerät. Guckt auf die Anzeige, verfolgt die Schwingung der Nadel. Dreht mit dem Stimmschlüssel an den Stimmwirbeln, bis der elektronisch rote Punkt aufleuchtet. Dann packt er das Ding ein und legt es in seine Ledertasche. Das Ohr hört besser als die Elektronik. Sagt der blonde Kasache und lächelt. Er liebt mein Klavier. Horcht sich hinein in seine Nacktheit. Lauscht den Schwingungen. Der offene Resonanzboden reagiert auf unsere Worte. Ich ziehe mich an meinen Computer zurück. Mache die letzten Korrekturen am Seiden-Manuskript. Bin wieder in Japan. Während sich nebenan die Töne in Reih und Glied stellen. Dem Ohr und der Hand des Klavierbauers gehorchen. Ich hatte am Vormittag endlich meinen dicken Japan-Umschlag geöffnet. Lauter jetzt unverständliche Papiere. Und ein Spuckbeutel von ANA – All Nippon Airlines. Englisch beschriftet. Waterproof Disposal Bag. Tear off to open. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Radiergummi steckt als Stimmkeil zwischen die Saiten. Der Klavierstimmer zieht das rote Band aus den Diskantsaiten, stopft es zwischen die Basssaiten. Mit einem Schraubenzieher. Er geht unzimperlich um mit der Materie. Die ihm vertraut. Er tastet die Töne nach allen Seiten ab. Legt die Saiten, die dabei stören, lahm. Renkt die anderen ein. Er erzählt von einem wunderbaren Bechstein. Der noch unförmiger sei als mein Liegnitz. Noch unmöglicher zu transportieren. In keine Wohnung passen werde. Aber, sagt er, mal sehen, was daraus wird. Der Klavierbauer macht das Klavier. Organisiert die Innereien. Bringt die Mechanik in Einklang mit dem Holzgehäuse. Wieder spricht er vor allem nur vom Holz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als die Töne stimmen, zerlegt er das Klavier weiter. Schraubt die Hammerleiste los und hebt die ganze Tastenmechanik heraus. Stellt sie kopfüber auf den Boden. Sucht die Stelle, an der mein Fortepedal quietscht. Er bewegt langsam verschiedene Glieder, die Hebewippe, den Gegenfanger, die Stoßzunge, die Dämpferpuppe. Es quietscht immer noch. Zu wenig gespielt, sagt der Mann, der mein Klavier liebt. Stimmt. Antworte ich verblüfft. Er holt eine Spritze aus seiner Werkzeugtasche, zieht Spezialöl auf. Injiziert. Fein dosiert. Ins Dämpferarmgelenk. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Klavier sieht wieder aus wie immer. Etwas zu antik für unsere Billyregalwohnung. Auf meinem Schreibtisch liegen Korrekturfahnen. Nach eineinhalb Jahren per Post heute aus Polen eingetroffen. Mein Referat für den Konferenzband. Lidka bittet darum, sorgfältig zu lesen, die Zitate zu überprüfen und allfällige Korrekturen mit Bleistift anzubringen. Sie arbeitet mit Radiergummi. Ich werde mich hüten. Papier ist unsäglich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den in meiner Küche entstandenen Stimmkeil habe ich Igor geschenkt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111769482311439828?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111769482311439828/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111769482311439828' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111769482311439828'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111769482311439828'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/06/der-stimmkeil.html' title='Der Stimmkeil'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111757306658757863</id><published>2005-05-31T22:56:00.000+02:00</published><updated>2005-05-31T22:57:46.586+02:00</updated><title type='text'>Ungerecht verteilte Wörter</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einer längst vergangenen alten „Zeit“ (ich lese nur alte Zeitungen) lese ich, dass Worte mehr sagen als Gerüche. Versuchsteilnehmer bekamen Luft zu schnüffeln und gleichzeitig wurde ihnen ein Wort dazu gezeigt. Der Versuch bewies, dass derselbe Gestank als angenehmer beurteilt wurde, wenn das Wort „Cheddarkäse“ dazu erschien, als wenn das Wort „Körpergeruch“ auf der Tafel stand. Auch als den Probanden reine Luft zugeführt wurden, reagierten sie mit „nahezu identischer Hirnaktivität“ auf die Wörter. Cheddarkäse bekam immer den Vorzug vor Körpergeruch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jan Faktor, der diesjährige Döblin-Preisträger, las am Sonntag in der gläsernen Akademie der Künste am Pariser Platz aus „Schornstein“, seinem unveröffentlichten Roman. Ein Textausschnitt endete mit dem Satz „Sie roch Auschwitz und fiel um.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was heißt das nun?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111757306658757863?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111757306658757863/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111757306658757863' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111757306658757863'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111757306658757863'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/05/ungerecht-verteilte-wrter.html' title='Ungerecht verteilte Wörter'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111757296141593577</id><published>2005-05-31T22:54:00.000+02:00</published><updated>2005-05-31T22:56:01.423+02:00</updated><title type='text'>Ungleich verteilte Wärme</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Japan war das offensichtlich. Dass nicht jeder Zugang zu Wärme hat oder findet. Hier sind Zuteilungen jeder Art komplizierter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern abend auf dem Heimweg im Engelbecken: Die fünf Kleinen im Nest im Schilf schlafen. Mutter Schwan putzt sich. Vater Schwan genehmigt sich in der Kneipe einen „Sundowner“. Wie im richtigen Leben. Ich war nach zweieinhalb Stunden Tai Chi k.o. Wie nach einem Boxkampf. Eine Einzelstunde und eine Gruppenstunde. Und mit dem Fahrrad zweimal quer durch die Stadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute früh wachte ich auf und fühlte mich so elend in allen Knochen, dass ich beschloss, ein Bad zu nehmen. Und Jurewicz zu lesen. Ich hatte ihn auf der Buchmesse in Warschau getroffen. War entsetzt über sein Aussehen. Alkohol zeichnet. Mehr als die Jahre. Er schloss mich in die Arme. Und zitterte. Ich hatte sein Buch im Zug angelesen. Und mich gefragt, wie lange kann ein Autor die verlorene Landschaft der Kindheit beschwören? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Badewanne. Rosmarin. Der Rücken tut weh. Jeder Muskel. Die Haut ist gereizt. Zuviel Chi, meinte W. am Telefon. Er marschierte in Stralsund im strömenden Regen über den Campus zu seiner Vorlesung. Und Jurewicz beschreibt zum wievielten Mal seinen Versuch, Lida wiederzufinden? Den Ort in Weissrussland, den er als Fünfjähriger verlassen hatte. Jurewicz beschreibt zum wievielten Mal seine Sehnsucht, nach der Heimat, nach dem Haus, nach dem Zimmer? Nuanciert und erschütternd. Zum wievielten Mal? Fasst er in Worte, was Traurigkeit ist. Was Einsamkeit. Was das ist, was ein Mensch im Leben nicht hat. Und vermisst. Schmerzlich. Und ich. Hochmütig. In der Badewanne. Das Wasser wird kalt. Ich merke es nicht. Hänge mit den Augen an Jurewiczs Erinnern, klammere mich mit den Händen an die aufgeklappten Buchdeckel. Nackt im kalten Rosmarinwasser. Eine kühle Erkenntnis. Bei mir ist es umgekehrt. Nicht nur, dass ich nichts wissen will von meiner goldenen Heimat, mich nach keinen lieben Tanten und Onkeln sehne, mich abgrenze von den sonnenlosen Wintern meiner Kindheit. Nein. Mehr noch. Ich schrieb einen Roman über eine nicht ganz erfundene Figur. Ich fuhr nach Amerika. Weil dort Spuren und Nachkommen meiner Figur vorhanden sind. Und fand einen Großvater. Meinen ersten und einzigen Großvater. Ich sehne mich jetzt nach einem Dorf in Pennsylvania. Nach einem einäugigen Pferd. Fand eine Großmutter. Eine ganze Familie. Die mich in die Arme schloss.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111757296141593577?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111757296141593577/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111757296141593577' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111757296141593577'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111757296141593577'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/05/ungleich-verteilte-wrme.html' title='Ungleich verteilte Wärme'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111740260924468892</id><published>2005-05-29T23:35:00.000+02:00</published><updated>2005-05-30T00:08:32.246+02:00</updated><title type='text'>Sonntagsschule</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Morgen. Tai Chi im Park vor der Kirche. Danach die jungen Schwäne im Engelbecken besucht. Sie erhielten gerade eine ihrer ersten Lebenslektionen. Seit ich aus Warschau zurück bin, gibt es keinen Nachtfrost mehr. Gestern war mit 34° der heißeste Maitag in Berlin seit über hundert Jahren. Ich überwinde mich also und gehe am Morgen raus und mache meine langsamen Übungen beim Erzengel. Ertrage die Blicke der Nachbarn. Im Rücken und im Genick. Der Rentner und der Kirchgänger. Die kleinen Schwäne haben ihren Körperumfang bereits verdoppelt. Sie ertragen meine Blicke auch. Sie mussten heute lernen, von ihren Eltern verlassen zu werden. Die großen Schwäne flogen quer über das Engelbecken. Die Kleinen versuchten ihnen nachzukommen, paddelten mutig in die entsprechende Richtung. Aber da flatterten die Großen bereits mit Getöse wieder auf und setzten sich in der entgegengesetzten Ecke wieder aufs Wasser. Die Kleinen wendeten. Eifrig. Suchten. Sofort. Die Großen verließen wieder ihr Gesichtsfeld. Dies wiederholte sich einige Male. Bis die fünf in die Geborgenheit und Geschlossenheit zurückkehren durften. In die Mitte genommen wurden. In Einerkolonne dem Schilf entgegen. Die Mutter vorne, der Vater hinten. Oder umgekehrt. Ich fragte mich, ob das beim Menschen auch so rapide geht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Mittag in der Akademie der Künste. Verleihung des Alfred-Döblin-Preises an Jan Faktor. Der neue Glasbau am Pariser Platz, erst vor einer Woche eröffnet, kämpft mit den Widrigkeiten des Daseins. Die Maihitze staut sich bereits in den durchsichtigen Räumen. Toiletten gibt es nur im 2. Untergeschoss. Der private Sicherheitsdienst hindert einen immer wieder am Übertreten von unsichtbaren Schwellen. Ein Stück Originaldöblin über die Liebe gehört. Eine Laudatio vom Unfeinsten. Der Laudator stellte sich über den Preisträger. Der Preisträger bekam den Preis (einen Umschlag und eine einzelne gelbe Blume) und las zwei Fragmente aus seinem unveröffentlichten Roman „Schornstein“. Über Gerüche und Körperausscheidungen. Der Appetit auf den Sonntagsbraten verging von selbst. Dennoch danach auf der Dachterrasse ein Glas Sekt getrunken. Das Wundern hört nie mehr auf. So einen Blick über Berlin hatte ich noch nie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Abend wollte ich mir einen Ume-Tee kochen. Mich mit Japan versöhnen. Endlich die Dose öffnen, die ich am Tsukuba-San gekauft hatte. Darin zwei aromadicht (wie ich annehme) verschweißte Folienpackungen. Und ein winziges Plastiklöffelchen. Wie niedlich, denke ich fast wehmütig. In Japan wird man umsorgt. Ich schneide die eine Folie auf. Bin überrascht – schneeweißes, feinstes Pulver! Gut, dass ich dies nicht ahnte. An den Grenzen und Flughäfen außerhalb des Landes. Bei den Spezialbehandlungen, die meinem Gepäck zuteil wurden. Ich verzichte vorsichtigerweise darauf, den „Tee“ in meinem chinesischen Tonkännchen aufzubrühen. Dosiere vernünftigerweise mit dem beigelegten Löffelchen. Schütte das Pulver in eine normale Tasse, gieße heißes Wasser darüber. Und bin auf alles gefasst. Vor allem auf Süßigkeit. Auf furchtbar süße Süßigkeit. Die Flüssigkeit verfärbt sich bräunlich. Bleibt aber klar. Ich nehme einen Schluck. Mutig. Wie die kleinen Schwäne. Wenn sie auf der für sie unendlichen Wasserfläche die Richtung ändern. Um Vater und Mutter entgegen zu schwimmen. Darauf war ich dann doch nicht gefasst. Ich schlucke leer. Pflaumenblütentee vom Tsukuba-San schmeckt salzig. Wie Schwiegermutters geliebte „heiße Tasse“. Hühnerbrühe. Kraftbrühe. In der Nase Frühlingsblüten. Auf der Zunge Sonntagsbraten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111740260924468892?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111740260924468892/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111740260924468892' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111740260924468892'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111740260924468892'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/05/sonntagsschule.html' title='Sonntagsschule'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111722743998510693</id><published>2005-05-27T22:56:00.000+02:00</published><updated>2005-05-27T22:57:19.993+02:00</updated><title type='text'>Gehirn-Training</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor drei Monaten haben wir Japan verlassen. Ich bin also länger wieder außerhalb des Landes als ich je innerhalb war. Trotzdem läßt es mich nicht los.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei der Premiere der SCHAM-Anthologie in der Abgusssammlung wurde ein Zitat aus einem Interview vorgelesen. Japaner entschuldigen sich, wenn sie Geschenke verteilen: „Das ist gar nichts, was ich dir da schenke, das ist etwas ganz Schlechtes, entschuldige, dass ich dir das schenken muss ...“. Dahinter steckt, was das Interview in der Anthologie nicht erklärt, der gesellschaftliche Zwang, jedes „schlechte“ Geschenk mit einem „besseren“ zu erwidern. Dies gebietet die Höflichkeit. Und kann ausarten. Man verschenkt aus Verzweiflung schon mal Haus, Hof und das makellos weiße Auto. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hiroko hatte sich bei mir für das Erdbeben in Tsukuba entschuldigt. Dafür, dass es mir Unannehmlichkeiten bereitet hat, mich aus dem Schlaf gerissen und mein Gleichgewichtssinn für Stunden, Tage, ja vielleicht für immer gestört hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Längst bin ich der alten Routine wieder verfallen. Ein paar Tage hier, ein paar Tage dort. Stralsund. W. Berlin. Warschau. Erzengel. Kühlschrank. Computer. Viren. Und so weiter. Überall und immer kann ich mittlerweile wieder schlafen. Nur etwas gelingt mir nicht: der tägliche Weg ans Klavier. Vorsichtig taste ich mich an. Das alte Liegnitz ist verstimmt. Und zu Recht. Ich bin ruhelos. Kann den Klavierstimmer nicht bestellen. Die Finger gehorchen mir nicht. Auf der Computertastatur funktionieren sie. Am Klavier geben sie nicht einmal eine gemäßigte A-Dur-Tonleiter her. Geschweige denn einen D-moll-Akkord. Musik ist, lese ich heute in einer alten Zeitung, der „Sprachträger für unser Gedächtnis“. Letzte Nacht träumte ich von einer Frau aus der Schweiz. Sie war früher einmal Nonne. Und kehrte irgendwann dem Kloster und der katholischen Kirche den Rücken. Machte sich selbständig. Ich erkannte sie im Traum im ersten Augenblick nicht wieder. Weil sie, wie ich auch, älter geworden war. Fünfzehn, zwanzig Jahre sind vergangen. Und es war mir peinlich, sehr peinlich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Musik, sagt der Neurologe in der Zeitung, sei „der stärkste Reiz für die Neuroplastizität“. Musik hören oder machen sei Schwerstarbeit. Musik bewirke bereits nach kurzer Zeit neuronale Vernetzungen und aktiviere das Zusammenspiel unserer beiden Gehirnhälften. Menschen, die ein Instrument spielen oder singen, würden in ihrer „emotionalen Intelligenz“ gefördert. Die Beschäftigung mit Musik sensibilisiere die Wahrnehmungsfähigkeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe es heute mit Bach versucht. Carl Philipp Emanuel. Johann Christian. Wilhelm Friedeman. Mit der Sonate für Violine und obligates Cembalo. Mit einem Menuett von Christian Petzold. Bachwerkverzeichnis Anhang 115.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwas sträubt sich gewaltig in mir gegen den Arbeitsspeicher, mit Hilfe dessen mein Gehirn und meine Fingerspitzen komponierte Strukturen und Ordnungen wiedererkennen sollten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111722743998510693?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111722743998510693/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111722743998510693' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111722743998510693'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111722743998510693'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/05/gehirn-training.html' title='Gehirn-Training'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111720650288147731</id><published>2005-05-26T17:06:00.000+02:00</published><updated>2005-05-27T17:08:22.886+02:00</updated><title type='text'>Erschöpfungen</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wieder ein Wochenende mitten in der Woche. Wieder Sonntagabendstimmung schon am Donnerstagvormittag. W. kam nach Berlin. Ich aus Warschau. Zu meiner eigenen Lesung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Café am Engelbecken breitet sich aus. Zusätzliche Tische und Bänke wurden zu beiden Seiten der Baucontainer am Rand des Wasserbeckens aufgestellt. Der Uferstreifen befestigt und mit Kies aufgefüllt. Im Wasser wächst das Schilfrohr in den Himmel. Vorgestern sass die Schwanenmutter noch im Nest und brütete. Seit gestern purzeln fünf hellbraune kleine Wollknäuel im Wasser herum. Die Schwaneneltern haben sie ans gegenüberliegende ruhigere Ufer gebracht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern nachmittag, auf dem Weg zu meiner eigenen Lesung, die Sonne brütete am Himmel wie die Schwänin im Schilfgras beim Erzengel, machten wir einen Ausflug in die Stadt. Wir sind so selten tagsüber zusammen in Berlin. Wir besuchten das Holocaust Mahnmal. Besuchten? Begingen das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. So der offizielle Name. Folgten den Wegweisern vom Potsdamer Platz. Es beginnt am Straßenrand. Und hört in der Hölle auf. Stufen führen zu Notausgängen hinunter. Es hat keinen definierten Eingang, keinen definierten Ausgang. Ist ohne Anfang. Ohne Ende. Ohne Schriftzug. Ohne Portal. Nur in den Boden eingelassen, unscheinbar, übertretbar, die Bronzetafel mit dem „benimm-dich!“. Die Hausordnung für Kein-Haus. Das an jeder Stelle, zu jeder Zeit betreten werden kann. Eisenmans Stelenfeld zwischen dem Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz. Neben der Baustelle, wo unter enormen Sicherheitsvorkehrungen die neue amerikanische Botschaft entsteht. Es soll so groß sein ist wie ein Fußballfeld. Und seit der offiziellen Eröffnung spielen darin nicht nur Kinder Verstecken. Schießen nicht nur Erwachsene Erinnerungsfotos. Setzen sich nicht nur Touristen auf die flachen, am Rand in die Straßenverkehrsordnung ausufernden flachen Stelen. Wie Ruhebänke. Was Opferverbänden bitter aufstößt, Geschichtspflegern und Schambewussten. Wir stiegen hinein in die akkurate Stelenplantage. Hinein in das abschüssige Steingelände. Von außen betrachtet, vom Straßenrand, vom Fahrradstreifen, vom Bürgersteig, vom Tiergarten, vom Heißluftballon, vom Sony-Center, von der Glaskuppel des Reichstages, verschwinden die Besucher. Schnell. Die Besucher? Verschluckt das Mahnmal. Stumm. Die grauen Stelen wachsen über unsere Köpfe. Schmucklos. Kantig. Regelmäßig. Geometrisch. Mit nur leichten Abweichungen. Schieflagen. Das Nichts. Das absolute Nichts. Die Abwesenheit. Von Spuren. Ritzen. Wurzeln. Aber bereits sonnenwarm. Unter der flachen Hand. An einem frühen Hitzetag im Mai. Wie durch ein Wunder bleibt für uns Anwesende die Stadt sichtbar. Und hörbar. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Abend las ich in der Abgußsammlung zum ersten Mal „Kein Märchen“ öffentlich vor. Es hat mich so erschöpft, dass ich heute den ganzen Tag kein Wort über die Lippen brachte. W. blieb zwei Stunden länger. Ich begleitete ihn am Mittag taumelnd zum Bahnhof. Und versank danach in tiefen Schlaf.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111720650288147731?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111720650288147731/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111720650288147731' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111720650288147731'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111720650288147731'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/05/erschpfungen.html' title='Erschöpfungen'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111667108031499155</id><published>2005-05-21T12:20:00.000+02:00</published><updated>2005-05-27T23:00:29.883+02:00</updated><title type='text'>Kontrastprogramm</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Telegramm Warschau 2. Sonne. Morgen soll hier der Sommer ausbrechen. Abschied vom Meister. Gestern an einer Veranstaltung (Bolecka/Mosebacher) unter dem Patronat einer deutschen Prinzessin. Wie seltsam. Von der leeren Fabrikhalle in einen glänzend renovierten Palast an der Ujazdowskiallee. Ein wunderbares Fragment über das Weisse von Schnee gehört. Unübersetzbar deutsch. Über die Leere nachgedacht und unsere japanische Wohnung. Keine Kälte verspürt. In der Nacht allein durch mein Warschau zur Metro marschiert. Nach Ursynow gefahren. Das gehört alles mir. Was für ein Gefühl.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111667108031499155?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111667108031499155/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111667108031499155' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111667108031499155'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111667108031499155'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/05/kontrastprogramm.html' title='Kontrastprogramm'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111659978855178284</id><published>2005-05-20T16:26:00.000+02:00</published><updated>2005-05-27T22:59:25.703+02:00</updated><title type='text'>1974</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Telegramm Warschau. Buchmesse. Endlich erschien die unzensierte Ausgabe von Konwickis Tagebuch aus dem Jahr 1974. Nur seinetwegen bin ich hier. Schau mir nebenbei noch die Auftritte des Gastlandes Schweiz an. Eine minimalistische Fotoausstellung von Fotografen, deren Namen ich noch nie gehört habe und deshalb auch nicht wiedergeben kann. Duo-Lesung von Hugo Loetscher und Julia Hartwig. Na ja. Natasza Goerke und Peter Weber. Wunderbar. Gestern Nacht Macbeth-Premiere in der Waryński-Halle, einer leeren Fabrik in Wola, laut und blutrünstig. Wir sassen auf einem Baugerüst. Jarzyna (= Regisseur) hatte den letzten Platz in der obersten Reihe, neben mir, eingenommen. Ich fragte ihn, während das Premierenpublikum hilflos auf dem durchsichtigen Gerüst herumturnte und seine wackligen Sitze suchte, ob die Konstruktion uns aushalten werde. Er nickte zuversichtlich und vertraute mir an, er würde jetzt, trotz später Stunde (der Beginn der Vorstellung war auf 22 Uhr festgesetzt worden), zum ersten Mal seit Monaten in dieser riesigen Halle nicht frieren. Das sind wir, die Premierenbesucher, versicherte nun ich zuversichtlich, die hier Wärme hineinbringen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111659978855178284?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111659978855178284/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111659978855178284' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111659978855178284'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111659978855178284'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/05/1974.html' title='1974'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111631547936404340</id><published>2005-05-17T09:36:00.000+02:00</published><updated>2005-05-17T15:39:12.080+02:00</updated><title type='text'>Berlin bleibt bunt</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis eben war es kalt. Karneval der Kulturen. Pfingsten. Eisheilige. Mamertus, Pancratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie. Heute das erste Frühstück auf dem Balkon. Mit W. und dem Erzengel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis eben habe ich übersetzt. Heute nachmittag fahre ich nach Warschau. Zurück lasse ich, einmal mehr, den leeren Kühlschrank. Der letzte Sommer war verregnet. Ich übersetzte das Drehbuch zur Verfilmung von Günter Grass‘ Roman „Unkenrufe“ aus dem Polnischen ins Deutsche. Dies ist kein Witz, sondern eine deutsch-polnische Co-Produktion. Vor ein paar Tagen kam der Folgeauftrag per Telefon. Transkription und Übersetzung von zwei Interviews. Für das Buch, das zum Film entstehen soll. Zum Film, der nach dem Buch von Grass gedreht wurde. Wieder kein Witz, sondern eine Werbemaßnahme. Ich willigte ein. Die Termine passen. Die Eisheiligen überlebt man am besten zu Hause am Schreibtisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis eben brannten die Augen. Die Interviews mit dem polnischen Regisseur Robert Gliński und der polnischen Hauptdarstellerin Krystyna Janda kamen per Post. Auf Tonband. Er redet 32 Minuten, sie 40 Minuten. Hört sich unscheinbar an. Setzt sich um in 20 Stunden Arbeit. Die deutschen Co-Produzenten wollten mir die Interviews auf einer VHS-Kassette liefern. Ich lehnte ab. Am Telefon. Und sagte: „Aus technischen Gründen.“ Unsere Wohnung beim Erzengel ist seit über einem Jahr fernsehfrei. Zum Glück. Denke ich jetzt. Denn ich hätte die 20 Arbeitsstunden auf dem Boden vor diesem unansehnlichen Möbel verbringen müssen. Ich hätte meinen Schreibtisch vor den Kasten tragen müssen. Ich hätte meinen Computer vor dem Ding aufbauen müssen. Es wäre ein Bildschirm vor dem anderen gestanden. Und ich hätte auf den Knien das Videogerät bedienen müssen. Und dabei gucken, wie ich gucken kann. Ich bin nicht mehr in Japan. Ich habe 20 Stunden lang kein Gesicht gesehen. Und dennoch brennen meine Augen. Vom Vor- und Zurückspulen der Tonspur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis eben grübelte ich dieser Idee nach, die mich schon den letzten verregneten Sommer über beschäftigt hatte. Vernachlässigte dabei W., meine Freunde und meinen Großvater in Amerika. Warum, um Gottes Willen, kam Grass auf die Idee, die deutsch-polnische Versöhnung an einem Friedhof zu exemplifizieren? Und warum gefällt ausgerechnet diese Idee den polnischen Drehbuch-Co-Autoren, dem polnischen Regisseur, dem polnischen Fernsehen, den polnischen Co-Produzenten und den polnischen Geldgebern so gut? Krystyna Janda lacht scheu wie ein Reh auf dem Band. In meinem Arbeitszimmer. Und sagt, so oft ich es nur will, so oft ich ihre Stimme zurückdrehe und den Satz nochmals von vorne beginnen lasse, dass sie dieses Thema weder in ihrer Rolle im Film noch als Privatperson interessiere oder berühre. Dass sie ganz andere Dinge bekümmern. Kleinigkeiten, zugegeben. Dass sie beispielsweise schlaflose Nächte habe, weil im Drehbuch festgeschrieben worden sei, dass Aleksandra Piątkowska, die Polin, die sie im Film spiele und durch die sie Polen im Film repräsentiere, 1989 auf der Danziger Werft vor dem Denkmal der ermordeten Werftarbeiter ihre Zigarette von einem brennenden Grablicht anzünde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich fahre nach Warschau. Besuche Tadeusz Konwicki, meinen alten Meister. „Kalendarz i klepsydra“, sein Tagebuch von 1974 erscheint endlich in der unzensierten Fassung. Darauf warten ich und viele andere seit 15 Jahren. Zeit ist relativ. Wieder bin ich eine Woche weg. Am Sonntagnachmittag verbrachten W. und ich ein paar Stunden auf der Hasenheide. Ich erlöste meine Augen vom Tonband und sah tanzende Menschen am Waterlooufer. Karneval der Kulturen. Grasgrüne Luftballons stiegen in den verhangenen Himmel. Von Kindern, die den Faden aus der Hand fahren ließen. Darauf aufgebläht die Worte „Berlin bleibt bunt“.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111631547936404340?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111631547936404340/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111631547936404340' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111631547936404340'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111631547936404340'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/05/berlin-bleibt-bunt.html' title='Berlin bleibt bunt'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111527451677124541</id><published>2005-05-04T20:27:00.000+02:00</published><updated>2005-05-05T08:31:36.346+02:00</updated><title type='text'>Kirschblütenblätter</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sturm von gestern abend zerfetzte den Berliner Kirschblüten- und Magnolienblütenzauber. Nun liegt er in den Straßengräben. Oder klebt auf Autos, die draußen unter den Bäumen übernachten. Ich fuhr am Morgen zum Tai Chi und wunderte mich auf der Bergmannstraße über rosagesprenkelte Karosserien. Japan in Kreuzberg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich arbeite. Schreibe. Stehe früh auf. Sitze nachts mit Maria K. in der Kneipe. Mein Leben ist voll von Maria K. Unschuldig überredete sie mich, meinen Beitrag zu einem Literaturwettbewerb zu leisten. Bestimmt hast du was zu dem Thema. Sagte sie listig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Japantexte sind ein Buch. Es reicht, die Texten unter einen bestimmten Begriff zu stellen und schon wächst das Selbstbewusstsein. Jetzt habe ich zwei Bücher und keinen Verlag. In deutscher Sprache. Und drei in polnischer. Und keinen Verlag. Der Briefträger überreichte mir gestern vor dem Sturm die Scham-Anthologie. Alles findet irgendwann seine innere und äußere Ordnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute war ich beim Tai Chi allein mit Lizzy. Auch die Menschen bekommen wieder Namen. Sah auf dem Balkon des Hauses gegenüber einen Mann mit nacktem Oberkörper telefonieren. Ich hatte ihn schon kürzlich am Abend so gesehen. Über die Brüstung ragt nur der Rücken. Oder die Brust. Je nach Unruhe. Am Telefon. Im Ohr. Als uns der Wüstenwind heimsuchte. Und es plötzlich 30° heiß war. Während mir die Seide auf der Haut klebte. Fragte ich mich, ob der Mann ganz nackt sei. Heute früh zog er sich während meiner Einzelstunde ein rotes kurzärmeliges Hemd über. Nach dem Sturm haben die Bäume das pubertierende Rosa verloren. Sind erwachsen geworden. Wie der Mann im Leinenhemd. Er setzte sich hin. Und frühstückte. Mit dem Telefon am Ohr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Morgen fahre ich nach Ahlbeck. Tai Chi am Meer. Am Sonntagmittag holt mich W. ab. Ich verbringe den Wochenanfang in Stralsund. Nehme meinen Laptop mit und arbeite.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111527451677124541?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111527451677124541/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111527451677124541' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111527451677124541'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111527451677124541'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/05/kirschbltenbltter.html' title='Kirschblütenblätter'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111488120448203976</id><published>2005-04-30T19:11:00.000+02:00</published><updated>2005-04-30T19:13:24.483+02:00</updated><title type='text'>Japan</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das richtige Grausen überkommt mich erst heute. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angeblich, hört man jetzt bei uns, übt Japan Rail West großen Druck auf ihre Mitarbeiter aus, um Verspätungen zu vermeiden. Die Shinkansenzüge, beispielsweise, hätten im letzten Jahr eine durchschnittliche Verspätung von 6 Sekunden (!) erreicht. Dies müsse, fordert das Management, im laufenden Jahr entschieden verbessert werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 13. Februar sahen wir in Tsukuba den Sportbericht nach den englischen Nachrichten. Ai Miyazato lachte in die Kamera, trug ein sonnenblumengelbes Hemd. Sie war gerade Weltmeisterin im Frauengolf geworden. Ihr Vater wurde um eine Stellungnahme gebeten. Schnitt. Ein ausdrucksloses Gesicht sprach in die Kamera: „Ich bin stolz auf meine Tochter, aber sie muss noch viel trainieren, um bessere Leistungen zu erzielen.“ Schnitt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angeblich werden Zugführer, die Verspätungen einfahren, zur „Nachschulung“ geschickt. Man zwingt sie in wochenlangem Psychodrill, ihre Schlechtigkeit der Gesellschaft gegenüber einzusehen. Zu bereuen. Sich selbst zu bezichtigen. Immer wieder. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In jedem Japanreiseführer kann man das Sprichwort nachlesen, das den Kindern angeblich am ersten Schultag beigebracht wird: „Auf einen Nagel, der hervorsteht, haut man drauf.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angeblich gibt es mehrere Fälle, in denen die „Nachschulung“ mit Selbstmord endete.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Besagter Zugführer verließ den letzten Bahnhof mit eineinhalb Minuten Verspätung. Weil er zu spät gebremst hatte, 8 Meter zu weit gerollt war und den Zug zurücksetzen musste. In Japan sortieren sich die Menschen auf den Bahnsteigen nach am Boden gezogenen, verschiedenfarbigen Linien. Je nach Zugtyp. Je nach Bahngesellschaft. Niemand wartet orientierungslos am Bahnhof auf seinen Zug. Wer in einen Zug einsteigen will, muss an der richtigen Stelle, in der richtigen Farbe stehen. Und um sich richtig einzuordnen, muss man wissen, welche Art Zug man benützen will. Einen mit 5 Waggons, oder mit 7. Doppelstöckig oder nicht. Mit oder ohne Speisewagen. Raucher oder Nichtraucher. Mit oder ohne Reservierung. Von dieser oder der anderen Eisenbahngesellschaft. Und so weiter. Jede Formation hat ihre eigenen Türabstände. Ein Zug, der nur 8 Millimeter neben seiner roten oder gelben Linie am Bahnsteig zum Halten kommt, bringt bereits alles durcheinander. Die Ordnung. Das Leben. Die Welt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angeblich war der junge Zugführer erst seit knapp einem Jahr im Dienst. Und hatte bereits eine „Nachschulung“ hinter sich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angeblich ist es unvorstellbar, eine zweite „Nachschulung“ zu überleben. Vor einer dritten „Nachschulung“ bittet man freiwillig um Entlassung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Zugführer musste neunzig Sekunden Verspätung aufholen. Schnitt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach drei Tagen barg man ihn in Amagasaki aus dem verkeilten Führerstand. Schnitt. Die kalte Hand am Bremshebel.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111488120448203976?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111488120448203976/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111488120448203976' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111488120448203976'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111488120448203976'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/japan.html' title='Japan'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111487310454548345</id><published>2005-04-29T16:56:00.000+02:00</published><updated>2005-04-30T17:00:21.840+02:00</updated><title type='text'>Das Fahrrad am Fahnenmast</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern abend im Bundesrat. Ausstellungseröffnung „Frühling im Herbst“. Maria K. hatte eine Einladung für zwei und nahm mich mit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wann kommt man schon in den Bundesrat, das ehemalige Preußische Herrenhaus? Wann kann man schon im Plenarsaal auf Sitzen von Ministerpräsidenten und Ministern sitzen (wir hatten die des Saarlandes inne) und Chopin (während der Redepausen) sowie Reden (Begrüßungsansprache, Grußwort, Festvortrag, Einführung in die Ausstellung) lauschen? Wann kann man schon mit einem Glas Sekt in der Hand in den Wandelhallen stehen bleiben? Rebecca Horns „Drei Grazien“ bewundern? Und ab und zu ein Häppchen von den Silbertabletts greifen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ausstellung – „Frühling im Herbst“. Vom polnischen November zum deutschen Mai. Das Europa der Nationen 1830-1832 – interessierte uns mäßig. Maria K. hatte sie schon in Leipzig gesehen und ich fühlte mich allein schon von deren Titel erschlagen. Außerdem beriefen sich die Redebeiträge immer wieder auf die „Aufständischkeit“ (oder Aufständigkeit?) Polens, was mir sowohl deutsch wie polnisch (powstańczość) schwer zu schaffen machte. Ich brauchte ein Glas Wein. Und Maria K. war hungrig. Die Bewirtung ließ anfänglich zu wünschen übrig. Miniportionen Bigos im Brotteig, Moccatässchenweise klarer Barszcz mit Schnittlauch. Lech und Tyskie vom Fass. Erst als die Massen sich verzogen hatten, wurden Fischfilets mit Dillgemüse (köstlich!) aufgetragen. Kaviarhäppchen auf Rösti (ein fast helvetisches Wunder!). Polnische Kabanosi. Heringstückchen mit roher Zwiebel. Und Süßigkeiten. Zum Glück hatten wir ausgeharrt. Am Stehtischchen eines entfernten Schriftstellerkollegen, der mich (Maria K. unterhielt sich derweil angenehm mit seiner Begleiterin) mit Fragen löcherte wie „Sagen Sie mal, was sagen Sie denn zum Gombrowiczjahr in Polen?“ Oder: „Sagen Sie mal ... (nachdem ich ihm dreimal erlaubt hatte, mich zu duzen) ... gibt es eigentlich eine gute polnische Grammatik?“ Und, nach einer längeren Pause: „Sagen Sie mal, stimmt es, dass die Posener Dichter im Schatten der Warschauer und Krakauer stehen?“ Draußen war es immer noch nicht dunkel geworden. Der Akkordeon-Spieler spielte polnische Volkslieder. Ein einziger Mann, weißes Hemd, Schlips, dunkler Nadelstreifenanzug sang wehmütig mit. Mit voller Stimme. Die Beine ausgestreckt. In einem der wenigen Ledersessel. Es sind keine Polen hier. Sagte Maria K. Die würden jetzt alle singen. Und die Grazien der Rebecca Horn „im nie genutzten Raum über der Hallendecke“ in Trance versetzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Abschied bekamen wir vom Bundesrat eine Plastiktüte geschenkt. Darin steckte der Ausstellungsband mit dem Titel „Polenbegeisterung“, der neben Farbabbildungen sämtliche Grußworte, Redebeiträge, Festvorträge und Pressestimmen der bisherigen Stationen der Wanderausstellung vereint. Und eine Handvoll politische Bildung. In deutscher und polnischer Sprache. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Türsteher bat mich, das nächste Mal („wenn Sie wieder den Bundesrat besuchen“) mein Fahrrad nicht an einem der vier Fahnenmaste anzuschließen. Sie hätten eine der Fahnen auswechseln müssen. Und wenn Fahrradschlösser die Stangen umschlungen hielten, bereite ihnen das große Probleme. Über dem Potsdamer Platz hing das letzte Tageslicht. Wir fragten uns, Maria K. und ich, welche der Fahnen denn im Laufe des heutigen Abends hatte eingeholt werden müssen? Die deutsche? Die polnische? Die europäische? Oder die des Landes Brandenburg (da Ministerpräsident Platzeck, derzeit Präsident des Bundesrates, nach Beendigung des Protokolls den Ort des Geschehens unter Polizeischutz verlassen hatte)?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111487310454548345?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111487310454548345/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111487310454548345' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111487310454548345'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111487310454548345'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/das-fahrrad-am-fahnenmast.html' title='Das Fahrrad am Fahnenmast'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111463270755798589</id><published>2005-04-27T22:10:00.000+02:00</published><updated>2005-04-27T22:11:47.556+02:00</updated><title type='text'>17,88</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin emotional unausgeglichen. Stelle ich fest und wundere mich nicht. Gestern dieses niederschmetternde Sonntagabendgefühl. Obwohl Dienstag war. Und heute dieses absolute Hoch nach einem kurzen Telefonat mit Warschau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über 20 Kilometer bin ich kreuz und quer durch die Stadt gefahren, mit dem Fahrrad, trotz ergiebiger Regengüsse. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 17,88 km/h. Die körperliche Trägheit weicht allmählich. Dem Tempo des Tages. Hab den Fahrradcomputer gefunden und in Gang gesetzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Amagasaki kamen um die hundert Menschen ums Leben. Ich kenne diese Züge. Stelle ich fest und wundere mich nicht. Gestern habe ich noch selbst in einem gesessen. In Fukuoka wechselte er die Richtung und alle sprangen auf, weckten die, die schliefen und das waren nicht wenige. Hektisch wurden im völlig überfüllten Pendlerzug alle Sitze gedreht. Japaner können nicht rückwärts fahren. Das gesteht ihnen ihre Gesundheit nicht zu. Wir, der Professor und ich, wussten nicht, wie uns geschah. Hatten es uns doch gerade erst bequem gemacht. Bücher und Ratgeber ausgepackt. Lesestoff für die lange Reise in die Rückentasche des Vordersitzes gesteckt. Der war nun plötzlich verteilt im ganzen Waggon. Hilfreiche Hände reichten Broschüren weiter. In Japan geht nichts verloren, was man anfassen kann.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111463270755798589?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111463270755798589/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111463270755798589' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111463270755798589'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111463270755798589'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/1788.html' title='17,88'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111437917475341762</id><published>2005-04-24T23:44:00.000+02:00</published><updated>2005-04-25T00:05:40.936+02:00</updated><title type='text'>Erklärungen</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist mir gelungen, den Schreibtisch freizuschaufeln. &lt;br /&gt;Es ist mir gelungen, den Sonntag zu verschweigen.&lt;br /&gt;Ich sitze stumm. Auf dem Balkon. &lt;br /&gt;Ich schreibe kein Wort auf. &lt;br /&gt;Sage kein Wort. Auf. &lt;br /&gt;Mit Ausnahme der Telefonate. Am frühen Morgen mit W. In London. Am Mittag mit Schwiegermutter. In Berlin. Am Nachmittag. Schweizerdeutsch. Mit J. in London. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W. guckt in London 16 Bilder von Caravaggio an. Heute und morgen.&lt;br /&gt;Ich räume heute meinen Schreibtisch auf. Lege die Belege für unsere Steuererklärung ab. Das Schöne an der Buchhaltung ist, dass irgendwann alles von der Oberfläche verschwindet. Ein ganzes Jahr. Unzählige Besorgungen. Bewegungen. Bemühungen. In einer Erklärung. An das Finanzamt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sitze an einem schneeweißen Schreibtisch und schaue wörterbuchbefreit in die Nacht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111437917475341762?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111437917475341762/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111437917475341762' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111437917475341762'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111437917475341762'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/erklrungen.html' title='Erklärungen'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111429268610901770</id><published>2005-04-23T23:43:00.000+02:00</published><updated>2005-04-25T10:58:41.496+02:00</updated><title type='text'>Dialoge</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich konnte gestern kein Wort aufschreiben. Ich habe sie alle ausgesprochen. Ins Engelbecken gekippt. Den offenen Armen des Erzengels geopfert. Bei schönstem Sonnenschein. Saß ich fast den ganzen Tag im Containercafé. W. war gekommen, am Abend. Und gegangen am Morgen. Mitten in der Nacht sind wir zusammen aufgewacht. Ohne Grund. Wie beim Erdbeben in Tsukuba. Waren wir plötzlich hellwach. Und er sagte vom weiten Ende des Bettes her: „Schön, dass du da bist!“ Und schlief auf der Stelle wieder ein. Ich blieb noch so lange wach, bis mein unsinniger Gedanke fertig war: „Mein Satz!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wörter sind Allgemeingut. Sätze auch. Es spielt keine Rolle, wer welches Wort, welchen vollständigen oder unvollständigen Satz ausspricht. Im Schlaf, im Traum, oder beim morgendlichen Zähneputzen. Hauptsache. Das Wort. Der Satz. Steht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich erzählte gestern den ganzen Tag im Café am Engelbecken. Die Hände lagen ruhig auf dem Tisch. Die Finger hatten nichts zu tun. Es gab keine Tasten. Keine schwarzen. Keine weißen. Keine Quartensprünge. Keine Mittagsruhe. Kein Laptop. Kein Liegnitz. Weil ich den Mund bewegte. Die Lippen, die Zunge, die Speicheldrüsen aktivierte. Nur deshalb begriff ich gestern, bei einem Glas Earl Grey, dass ich nur in Fremdsprachen schreibe. Mein mechanisches Sprechwerkzeug formulierte es so, dass meine Muttersprache keine Buchstaben kennt. Und ihre Substanz nicht an die Fingerkuppen veräußern will. Sondern aus Frikativen besteht. Rollende rrrrr liebt. Mir saß jemand gegenüber. Und blickte mich an. Hörte zu. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich flog nach Washington D.C. und landete im Bernischen Oberaargau. So kommt es, dass ich mich jetzt nach einem Ort in Pennsylvania sehne. Nach dem Stall meines einäugigen Pferdes. Paul gab sein Einverständnis postwendend per email. Ich adoptiere ihn. Als Großvater. Und stelle ihn ein. Als Pferdepfleger. Paul hat heilende Hände. Und wird das zweite Auge öffnen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zeit zerrinnt. Ich habe angefangen zu sprechen. Zu lesen. Zu hören. Ich verlasse heute den Balkon. Die Wohnung. Gehe spazieren. Durch das Engelbecken nach Kreuzberg. Und wieder zurück. War auf der langen Buchnacht auf der Oranienstraße. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ungeduld wird größer. Es gibt Texte, die berühren. Die mich packen. An mich herantreten. Und es gibt Texte, die bewegen. Die mich verstoßen. Mich ausschließen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111429268610901770?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111429268610901770/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111429268610901770' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111429268610901770'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111429268610901770'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/dialoge.html' title='Dialoge'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111411067503788683</id><published>2005-04-21T21:09:00.000+02:00</published><updated>2005-04-23T11:12:31.966+02:00</updated><title type='text'>Fingerübungen</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erinnerungen kommen hoch. Wie die Hitze aus der linken Ferse. Die Drohung mit der Amputation tut ihre Wirkung. Seit heute Mittag verteilt sich Wärme. Nach oben. Waden, Schenkel hoch, durch den Rücken. In die Schultern. Und wieder hinunter. Durch die Oberarme. Bis in die Fingerspitzen. Ich stehe auf dem Balkon. Und halte Zwiesprache mit dem Engel. Das Fernsehen ist verschwunden. Trotz Nachtfrost sprießt es in den Blumenkästen. Aus der Erde, die ich nicht in den Müllschlucker kippen konnte. Weil ich die Kästen nicht aus der Verankerung heben konnte. Weil ich ein schwaches Weib bin. Oh mein Engel! Ich werde die letztjährige Blumenerde wässern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich setzte mich zum ersten Mal ans Klavier. Und spürte das Chaos. Das mit heute früh auch auf dem Schreibtisch aufgefallen ist. Übereinandergetürmte Papiere. Disketten. Wörterbücher. Telefonnotizen. Flachgedrückte Weltkarten. Ein Zeitungsschnipsel „Tokio. Erste U-Bahn nur für Frauen“. Prospekte. Einladungen. Die ich nicht annehmen kann. Weil ich ein dreibeiniges Lama bin. Papierfotos. Reste der Reise. Eine amerikanische Briefmarke. Unscheinbar. Fahrkarten. Flugscheine. Robert Walser Mikrogramme. Das kleine Welttheater. Uraufführung. Die habe ich verpasst. Die Finger bewahren Haltung über den Tasten. Aber halten keinen Rhythmus ein. Sogar die Tonleitern stocken. Hinauf. Hinunter. Durch alle Tonarten. Die Finger zucken. Hysterisch. Zurück. Wie die Buchhaltungsbelege unter den Bildwörterbuch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die letzte Postkarte aus Maui, schreibt meine Schwester aus Allschwil, ist heute eingetroffen. Ich warf sie in Honolulu am Flughafen im Businesscenter in eine Box, von der man mir versicherte, es sei der Briefkasten. Bevor ich mich allein auf den Weg zu meinem Großvater machte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Finger haben noch im Ohr. Das Maschinengewehrgeknatter der japanischen Sprache. Die Fingerbeeren fürchten das Staccato. Das Seelenlose einer Regelmäßigkeit. Die schlafwandlerische Sicherheit. Die Fingernägel sind sauber. Kurz geschnitten. In die Fingerspitzen dringt Fersenenergie. Ich versuche es mit einem Praeludium. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich haue auf die Tasten ein. Zuerst am Klavier. Dann am Computer. Höre die CD aus dem zweiten Japanpaket. Zollbefreit angekommen wie das erste. Stockhausen. In meinem Zimmer. Das mit Büchern überfüllt ist, die mich am ersten Tag totschlagen wollten. In meinem Zimmer. Das unordentlich ist wie noch nie. In meinem Leben. In meinem Zimmer. Das sich gegen das Chaos meiner Gedanken nicht wehren kann. Hier tropft Stockhausen wie Balsam. Wie zäher, leicht bitterer Buchweizenhonig aus der Mazowszeebene. Aus den Lautsprechern. Über Bücherrücken. Und Aktenordnerkanten. Erinnerungen kommen hoch. An Appartement 2108. Ninomiya-House. Dezentes beige. Aseptisch wie ein Operationssaal. Großzügig in seiner Leere. Funktionsbereit. Und offen für alles, was von innen kam. Geschlossen für alles, was von außen kam. Es war unmöglich, Stockhausen dort zu hören.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111411067503788683?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111411067503788683/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111411067503788683' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111411067503788683'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111411067503788683'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/fingerbungen.html' title='Fingerübungen'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111403383808659963</id><published>2005-04-20T23:49:00.000+02:00</published><updated>2005-04-21T19:37:04.460+02:00</updated><title type='text'>Salzmonopol</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei Tage am Schreibtisch. Heute mit Handschuhen. Der Versuch, einen Text von 24 Seiten auf 15 herabzusortieren. Streiche das „Polnische“ weg, richtete mir die Herausgeberin aus. Auf der T-Net-Box. Ich fuhr gerade jenseits der Oder spazieren. Aber ich liebe Konstruktionen. Schnitte. Spiralwindungen. Sage ich sinnlos in den leeren Raum hinein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die letzte Nacht war kalt. Und die nächste wird kälter. Auch den öffentlichen Frühling am Engelbecken besetzen nun die Medien. Wie die guten Stuben seit der Erfindung des Schwarzweißfernsehens. Ich öffnete endlich das zweite Japanpaket. Obenauf lag die weiße Jogginghose des Professors. Auch das hatte ich vergessen. Dass in Japan alles vorwiegend farblos gehalten wird. Aber darunter die Überraschung. Gut gepolsterte Shamisen-CDs. Hatte ich vermisst. Kommt mir in den Sinn. Und W. verdächtigt, sie nach Stralsund enteignet zu haben. Stockhausen. 12 Melodien der Sternzeichen. Eine explodierende Begierde. Musik! Dynamit für den leeren Raum. Unter den „research-(dieses Wort ist unausstehlich)-papers“, versunken in der Tiefe der Nachhaltigkeit – die Chinageschenke. Von Professors bis heute nicht genehmigter Auslandsreise. Tsukuba – Peking und zurück in drei Tagen. Hast du mir was mitgebracht? Erik Satie. Claude Debussy. Johann Sebastian Bach. Leichte Klavierstücke und Tänze. Licensed Chinese Edition. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich verliere mich am Schreibtisch. Zurück bleibt ein grüner Wollschal. Der Schuster sagte, jeder Mensch laufe seine Schuhe ungleich ab. Und Frieda meldet prompt aus Menznau, ich sei Linksfüßerin und würde mich in der Wüste zu Tode irren. Ich habe sämtliche Schuhpaare auf den Kopf gestellt. Auf dem Balkon. Von Angesicht zu Angesicht. Mit dem Vergrößerungsglas die Sohlen gemessen. Meiner Lebtag brauchte ich noch keine Absatzbar. Und je mehr ich über die Energieferse nachdenke, desto schlechter wird mein Gang. Desto steifer mein Genick. Desto schmerzhafter mein Atem. Morgen früh laufe ich zum Hausarzt und lasse mir das Bein amputieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute meine erste Audienz. Im Containercafé am Engelbecken. Ist geplatzt. Wie das Polnische in meinem aufgeblähten Text. SAT.1. dreht den zweiten Block einer neuen Serie. Besetzt das Engelbecken und das Café. Stellt Parkverbotsschilder auf. Scheinwerfer. Kunstschirme. Genehmigt von den zuständigen Behörden. Bis in den kalten Abend hinein. Bald werden wir in aller Stuben sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu Hause ziehe ich die Basellandschaftliche Zeitung von gestern aus dem Briefkasten. Die Schlagzeile „Der erste schwarze Rauch“ ist hin wie der Dienstag. Und das Salzmonopol hinterlistig wie ein Aprilscherz. Von 26 Schweizer Kantonen unterliegen 25 der bundesrätlich genehmigten Salzverkaufsordnung und werden von den Schweizerischen Rheinsalinen mit allen Salzprodukten versorgt. Dürfen kein Straßenstreusalz im Ausland kaufen. Obwohl es um die Hälfte billiger wäre. Obwohl es letzten Winter zu Streusalzengpässen kam. Die Verkehrssicherheit für den morgendlichen Berufsverkehr blieb immer gewährleistet. Ausnahme ist der Kanton Waadt. Er baut in Bex selber Salz ab.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111403383808659963?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111403383808659963/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111403383808659963' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111403383808659963'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111403383808659963'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/salzmonopol.html' title='Salzmonopol'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111383303842272773</id><published>2005-04-18T16:02:00.000+02:00</published><updated>2005-04-19T22:06:33.860+02:00</updated><title type='text'>Heimspiel</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann ist nichts mehr ungewöhnlich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pünktlich um sieben Uhr in der Früh dröhnt der Aufsitzmäher durch unsere bereits ergrünte Anlage zwischen den Orwellhäusern. Erst um halb acht beginnen lautlose Hände ihre Arbeit. Säubern Blumenrabatte. Harken Sand auf dem Spielplatz. Ohne Motoren. Ohne Benzin. Ich bin aufgewacht in der Wohnung beim Erzengel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach drei Tagen in Polen und zwei Tagen in Stralsund. Geschieht alles in umgekehrter Reihenfolge. Ankommen. Auspacken. Gähnende Leere im Kühlschrank. Alte Zeitungen im Briefkasten. Ein Umschlag von Aoki-san mit Fotos von Toyama. Wir im dichten Schneetreiben im Stadtpark. Wir zerzaust am Japanischen Meer. Wir mit Regenschirmen. Mal aufgespannt über den Köpfen. Mal schlank an der Seite. Mich fröstelt. Das Außenthermometer zeigt 22° an. Und eine himmelblaue Benachrichtigungskarte. Ein Paket wurde bei Nachbarn im zehnten Stock abgegeben. Wahrscheinlich der Rest unseres Japankrams. Zwanzig Kilo Papier sind bereits zollbefreit angekommen. Auf zehn weitere warten wir noch. Was in Tsukuba so absolut wichtig erschien, steht hier Tage, Wochen dumm im Wohnzimmer herum. Versperrt den Weg zur Balkontür. Den ersten Schritt auf den Engel zu. Ich bin wieder da. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwischen Polen und mir gibt es keine Grenze. Ich brachte ein Kilo Kleehonig mit und fünf Kilo Bücher. Sowie Fragen über Fragen. Ich blättere im Historischen Atlas. Warum besitzt das Museum Mittelpommerns in Słupsk die polenweit größte Sammlung von Gemälden, Skizzen und Zeichnungen von Witkacy? Warum trägt die angeblich restaurierte Predigerkanzel aus der Renaissance in der Stadtkirche von Nowogard die Aufschrift „Anno Domini 1929“? Warum gibt es in Słupsk ein Sienkiewicz-Denkmal? Weil auf diesem Sockel früher Bismarck stand, erklärte mir einer der Studenten. Sozusagen als Platzhalter. Bis die Gegend polonisiert und ihre Kirchen katholisiert wurden. Weder Sienkiewicz noch Witkacy hatten irgend etwas mit Słupsk zu tun. Polnische Lokalgrößen gab es nicht. Der Wodka verblieb bei W. in Stralsund, ebenso ein Kilo Lindenhonig und ein hölzerner Fleischklopfer. Unser schneller Abschied an der Bushaltestelle Lilienthalstraße. Bereits wieder Gewohnheit geworden. Straßenkantenküsse. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die linke Ferse brennt, seit ich vor einem Monat in Tegel gelandet bin. Zuviel Hornhaut, dachte ich und rubbelte mit Bimsstein in der Badewanne. Zu dünne Haut, überlegte ich dann und rieb morgens Sanddornsalbe, abends Vaseline ein. Zuviel Chi, meinte W. in Stettin. Falsch verteilte Energien. Heute sehe ich, dass die Sohle am linken Schuh hinten ganz abgetreten ist. Das gelbe Oberleder schon angegriffen. Von der Straße. Zerfetzt. Ich stelle die roten Lammfellschuhe, die ich in Japan getragen hatte, auf den Kopf. Studiere Sohlen und Absätze. Unauffällig gleichmäßiges Winterprofil. Kaum einen Millimeter abgelaufen. Verdutzt stecke ich die gelben Schuhe in einen Papierbeutel und trage sie zum Schuster. Ich bin weit herumgekommen in den letzten Tagen, erkläre ich im Vorbeigehen dem Engel auf dem Glockenturm. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Zug las ich Die Zeit. Zeitläufte der letzten Ausgaben. Deutschland vor 60 Jahren. Ich fuhr durch Greifswald, Anklam, Pasewalk, Prenzlau, Eberswalde, Bernau nach Berlin Lichtenberg. Jenseits der Oder, hatten wir in Polen gehört, zerstörte die Rote Armee nach der Befreiung alle historischen Stadtkerne an der Küste. Mit Ausnahme von Darłowo. Wo ich auch zu Hause bin. Dort gibt es die beste Pizza Polens und das beste Frühstück. Diesseits der Oder, lese ich in den Zeitläuften im fahrenden IC, zerbombte die deutsche Luftwaffe Städte, die sich bereits ergeben hatten. Zum Beispiel Anklam. Oder Eberswalde. Gezielt wurden Geschäfte bombardiert. Deutsche Präzisionsarbeit. Ein prall gefülltes Heeresverpflegungslager. Eine Mühle mit 45 000 Tonnen Getreidevorräten. Nein, es gibt keine Grenze. Des Infernos. Und nicht zwischen Polen und mir.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kurz vor sieben, versprach der Schuster, könnte ich die Schuhe wieder abholen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111383303842272773?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111383303842272773/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111383303842272773' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111383303842272773'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111383303842272773'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/heimspiel.html' title='Heimspiel'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111331289681727240</id><published>2005-04-12T15:33:00.000+02:00</published><updated>2005-04-16T17:18:01.503+02:00</updated><title type='text'>Spargelzeit</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann fängt das Leben wieder an. &lt;br /&gt;Am Morgen. Der hastige Blick in den Kühlschrank. Was verderben könnte. Was gegessen, getrunken werden muss. Was eingefroren werden kann. Ein Pfund Spargeln! W. hat eingekauft und vorgekocht. Ich habe klaglos meine täglichen Rationen aufgewärmt. Und nun liegt in der Gemüseschublade ein Bund frischer Spargeln! Wie ein Kuckucksei. Ich koche mir Spargeln zu Mittag, denn am Abend bin ich bereits nicht mehr da. Und Gnocchi dazu. Mag ungewöhnlich sein, die müssen aber auch weg. Mit Butter. Reiner Butter. Wasche das Geschirr. Trage den Müll in den Himmel. Verabschiede mich auf dem Balkon vom Erzengel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unser Leben. &lt;br /&gt;Ich bin verabredet mit dem Professor um 20:55 Uhr in Stettin am Bahnhof. Begleite ihn und eine Handvoll Studenten auf eine kurze Exkursion an die polnische Ostseeküste. Ich wollte nicht mitfahren. Nicht jetzt. Kaum angekommen. Nicht in dieser papstlosen Zeit. Nach Kołobrzeg, Darłowo, Słupsk. Polen. Ich gab meinen Widerstand schnell auf. Das Leben ist zu kurz. Um auch nur eine Gelegenheit auszulassen, nach Polen zu fahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann verbringe ich das Wochenende mit W. in Stralsund. Denn von Stettin aus wieder getrennter Wege zu gehen, wäre geschmacklos.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111331289681727240?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111331289681727240/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111331289681727240' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111331289681727240'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111331289681727240'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/spargelzeit.html' title='Spargelzeit'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111325189277207598</id><published>2005-04-11T22:36:00.000+02:00</published><updated>2005-04-11T22:38:12.773+02:00</updated><title type='text'>Der neue Mond</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sass den ganzen Tag an meinem Schreibtisch und arbeitete. Verbrachte nur vormittags eine kleine Dreiviertelstunde am Telefon. Gratulierte Mutter in Liestal ausführlich zum 79. Geburtstag. Am Abend fuhr ich mit dem Fahrrad an die Akazienstraße. Schwitzte die Kreuzbergstraße hoch. Das Herz polterte und ich ließ es lachend gewähren. Kehrte in der Dunkelheit zurück. Das Licht am Fahrrad funktioniert. Am Himmel steht der neue Mond. Seit höchstens gestern. Auf der Oranienstraße machte ich noch 14 Kopien. Und nahm die Abkürzung durchs Engelbecken. Nach Hause. Das Café ist ein echter Lichtblick in unserem düsteren Osten. &lt;br /&gt;Allein habe ich keine Lust, mich da hin zu setzen. Wer will, kann sich hier mit mir verabreden. Ab nächster Woche.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111325189277207598?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111325189277207598/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111325189277207598' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111325189277207598'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111325189277207598'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/der-neue-mond.html' title='Der neue Mond'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111316936273778779</id><published>2005-04-10T23:41:00.000+02:00</published><updated>2005-04-11T00:00:52.136+02:00</updated><title type='text'>„Daremo shiranai“</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ersten Schritte zurück. In eine unauffällige Existenz. Ich war beim Frisör. Trank Latte Macchiato im Café Bilderbuch. Kaufte die erste Tageszeitung. Wir gingen ins Kino. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwann kommt immer der Tag, an dem die Haare einfach unausstehlich sind. Und das Bedürfnis, sie zu schneiden, dringlich wird. Unaufschiebbar. Diesmal trat als beschleunigendes Element noch mein Tsukubarot hinzu. Es brannte unsäglich auf dem Schädel. Einmal mehr schwöre ich mir, die Haare nie mehr zu färben. Und sie so lange immer wieder kurz zu schneiden, bis ich das letzte japanische Feuer los bin. Nur etwas steht mir im Moment im Wege: ich habe keine Frisöse mehr. Sie ist aus Berlin weggezogen und richtet Köpfe auf der Mecklenburger Seenplatte. In Bollewick bei Röbel an der Müritz. In der größten Feldsteinscheune Deutschlands. Obwohl ich ihre Adresse (Dudel 1) habe, komme ich da nie hin. Nicht an einem Mittwochvormittag. Wirklich schwierig im Leben einer Frau ist tatsächlich nur, eine neue Frisöse zu finden. Gestärkt durch Tai Chi, Latte Macchiato und Tratsch mit L. über Gott, den Papst und die Welt, hole ich mir am Lausitzer Platz einen Termin. „So bald wie möglich“ sage ich zu dem Mann, der mit seifigen Fingern durch die Haare einer vor ihm liegenden Frau fährt und nickt, seine Kollegin hätte am Nachmittag Zeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Kino war W.‘s Idee. Ich spiele Schicksal und schlage den Tagesspiegel auf. Wir wissen nicht, was läuft. Wir sind aus dem mainstream gekippt. Es ist nach Ostern. Und wir haben in diesem Jahr noch keinen Film gesehen! Aus der Zeitung spingt ein lachender japanischer Junge. Yuya Yagira. Er sitzt als Akira im Film „Daremo shiranai“ (Nobody Knows) auf dem Karussell. Und ist der Älteste von vier allein gelassenen Geschwistern in Tokyo. Wir schauen uns also Hirokazu Kore-edas vierten Spielfilm an. Zweieinhalb Stunden Japan. Bereits nach einer halben Stunde trommelt W. entnervt auf die gepolsterte Armlehne. Niemand hört es, aber ich sehe es. Die unerträglich piepsende Stimme der Mutter verschwindet irgendwann ganz aus dem Film. Zum Glück für die Zuschauer. Zum Unglück für die fictionbildenden Figuren. Ihre Mutter kommt nicht wieder. Das einzige Vertrauen stiftende Geräusch, das der waschenden Waschmaschine auf dem Balkon, verschwindet auch bald. Die einzige winzige Freiheit für Kyoko, die Zweitälteste. Sie darf auf dem Balkon Wäsche aufhängen. Der Älteste, Akira darf auf die Straße gehen. Die beiden Kleinen müssen sich in der Wohnung verstecken und stillhalten. Dann wird der Strom abgestellt. Und das Wasser abgestellt. Die Wohnung müllt zu, und die Kinder erobern sich die aseptische Straße, den klinisch reinen öffentlichen Raum, den staubfreien Park. Dirigiert von Akira, dem ältesten Sohn und Herrn der Schuhe. Nur wer Schuhe besitzt, kann ausbrechen. Nur wer den Schuhschrank öffnet, besitzt Macht. Nichts überrascht in diesem Film. Es ist alles so, wie wir es kennen. Es passiert nichts. Die Kleinste, Yuki überlebt nicht, sie fällt in der Wohnung vom Stuhl und bricht sich das Genick. Sterben muss in einem japanischen Film das Mädchen. Das ist normal. Was der Film uns sagen will, verstehen wir nicht. Auch das ist normal. Er strapaziert unsere Geduld. Unnötigerweise. Findet kein Ende. Ich habe mich gelangweilt. Zum ersten Mal seit vierunddreissig Jahren. Obwohl außer mir niemand in der Lage ist, das Geräusch der Waschmaschine herauszuhören und seinen Sinn zu verstehen: das kurze Röhren eines brünstigen Hirsches. Die Wäsche wird horizontal und erbarmungslos in der Trommel herumgeschleudert. Sie schwimmt in der scharfen Seifenlauge. Mal nach links, mal nach rechts. Die Struktur aller Naturfasern wird ersäuft. Und zerschlagen. Unsere T-Shirts, Unterhosen und Kniestrümpfe haben sich in zwei Monaten in Luft aufgelöst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sitzen im Max&amp;Moritz, bis man uns rauswirft. Die Stühle auf die Tische stapelt. Wir können uns noch lange nicht wieder beruhigen. W. dämpft mitten in der Nacht chinesische Teigtaschen. Ihn packt immer der Hunger, wenn ich kotzen könnte. Japan!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111316936273778779?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111316936273778779/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111316936273778779' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111316936273778779'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111316936273778779'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/daremo-shiranai.html' title='„Daremo shiranai“'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111308144246590729</id><published>2005-04-09T23:16:00.000+02:00</published><updated>2005-04-09T23:17:22.470+02:00</updated><title type='text'>Das Engelbecken</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich im Frühsommer 1999 auf der nach historischen Plänen wieder erstandenen Grünanlage unter dem herausgeputzten Erzengel Michael stand und unsere neue Wohnung zum ersten Mal von außen betrachtete, zeigte mir W. durch einen Spalt im Bauzaun den grasüberwachsenen Hügel in der Mitte des Platzes. &lt;br /&gt;„Das ist das Engelbecken“, sagte er.&lt;br /&gt;Ich hatte die Mauer im Kopf, nun auch ich. Zehn Jahre, nachdem sie gefallen war. Wie ein Zinnsoldat auf dem Schlachtfeld. Ich hatte ein geteiltes Gesichts- und Gedankenfeld. Und verstand die Welt nicht mehr. &lt;br /&gt;„Das Engelbecken“, fuhr W. ungerührt fort: „das ehemalige Kehrbecken des Luisenstädtischen Kanals. Das Hafenbecken. Es gab Schiffe, die hier etwas anzuliefern oder abzutransportieren hatten. Baumaterial. Märkischen Sand. Rüdersdorfer Kalkstein. Berlin ist aus dem Kahn erbaut worden. Aber auch Fäkalien. Lebensmittel. Kohle. Material für die Kattunfabriken, Messingwerke, Backsteinbrennereien und die erste Neusilberfabrik Berlins.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann war eines Tages die Welt hier zu Ende. Und niemand brauchte sie mehr zu verstehen. Jahrzehnte lag das Engelbecken als grüner Hügel im Todesstreifen. Aufgefüllt mit Schutt und Bombentrümmern. Wohnungsresten, Lebensresten von Hunderttausenden. Auch die Buchbinderei von W.‘s Großvater, das Zuhause von blonden Zwillingsschwestern, meiner Schwiegermutter Erika und Tante Lisa lag hier begraben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch früher war alles noch anders. Die Oberbaudeputation des preußischen Königs ließ 1848 nach Plänen von Lenné den Luisenstädtischen Kanal als Wasserstraße zwischen Landwehrkanal und Spree ausheben. Er sollte das feuchte Köpenicker Feld entwässern, das Wasser aus den Rinnsteinen ableiten und die Entwicklung des Gewerbes fördern. Vom Urbanhafen wurde in gerader Linie eine Schneise bis zum Engelbecken geschlagen, die dann in einem eleganten Bogen an der Schillingbrücke in die obere Spree führte. Der 20 Meter breite und nur 2 Meter tiefe Kanal war schwer schiffbar. Nur für die Größe des sogenannten Finowkahnes angelegt, erforderte der 90-Grad-Knick am Engelbecken großes Manövriergeschick. Ungünstige Strömungsverhältnisse und die Abwässer der Gegend ließen den Kanal besonders im Sommer fürchterlich zum Himmel stinken. Durch die Entwicklung der Eisenbahn verlor er zunehmend an Bedeutung. Die Reichswasserstraßenverwaltung beschloss schließlich, den Kanal als Wasserstraße aufzugeben. Er wurde 1926 mit dem Tunnelaushub der U-Bahnlinie Neukölln-Gesundbrunnen zugeschüttet. Für die „in aufreibender Tagesarbeit abgehetzten Menschen“ entwarf der damalige Gartendirektor der Stadt Berlin, Erwin Barth, Sondergärten. Dahliengarten, Enziangarten, Narzissengarten, Rosengarten. Immergrüner Garten. Indischer Garten mit weiblicher Bugghafigur. Fliedergarten. Das Engelbecken selbst blieb als Wasserbecken erhalten, hier sollte eine öffentliche Badeanstalt entstehen. Dagegen wehrten sich aber die Katholiken der Michaelgemeinde erbittert. Sie wollten am Sonntag vor den Toren ihres Gotteshauses keine halbnackten Menschenkinder sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Herbst, nachdem wir in die neue Wohnung eingezogen waren, transportierten Lastwagen aus Rüdersdorf hektisch alles ab, was das Wasserbecken vor einem halben Jahrhundert zum Hügel hatte werden lassen. Und was vor zehn Jahren noch obenauf geschüttet wurde. Wendereste. Ich beobachtete Wochenlang Baggerschaufeln, die eine lärmende Maschine fütterten, welche Kriegstrümmer und Mauerreste zu märkischem Sand zermalmte. Dieser rieselte auf die Ladeflächen geduldig wartender Lastwagen, die ihn pflichtschuldigst in den Rüdersdorfer Kalksteinbruch zurückbrachten. Die alten Kanalmauern kamen zum Vorschein. Fast unzerstört. Weganlagen. Plätze für Parkbänke. Das Grünflächenamt wollte das entrümpelte Engelbecken in eine pflegeleichte Liegewiese verwandeln. Aber die Natur wehrte sich gegen diese unnötige Simplifizierung. Von einem gewissen Tag im Dezember drang das Grundwasser hoch und ließ sich nicht mehr vertreiben. Die Arbeiter bekamen nasse Füße und trugen Gummistiefel. Das wieder erstandene Wasserbecken wurde behelfsmäßig umzäunt und winterfest gemacht. Die Lastwagen, die bislang immer leer von Rüdersdorf angefahren kamen, kippten nun frische Muttererde und Kieselsteine rund um das Becken. Die Frühjahrssonne würde hier einer tropischen Vegetation auf die Beine helfen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seither sind Jahre vergangen. Immer wieder müssen Schmierereien von den alten Kanalmauern entfernt werden. Die Kletterpflanzen überwuchern sie nur zögernd. An der Nordseite des Engelbeckens stehen bis heute Gitterzäune. Die Kanalmauer zur Kirche und zum Erzengel hin war zerfallen und ist nicht wieder rekonstruiert worden. Auch das frühere Kinderplanschbecken nicht. Dem Bezirksamt Mitte fehlen dazu die nötigen Mittel. Bevor wir nach Japan flogen, holzten plötzlich junge Männer das hochaufgeschossene Unkraut an der Nordmauer ab. Schaufelten die Reste von Trümmern weg. Eines Tages im November standen drei Baucontainer vor der zerfallenen Mauer und eine Nachbarin erzählte, darin würde ein Café entstehen. Wir runzelten misstrauisch die Stirn. Packten unsere Koffer. Bestellten ein Taxi. Und fuhren zum Flughafen Tegel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Café am Engelbecken ist mittlerweile eröffnet. Die Baucontainer sind in der Farbe der Backsteinmauern gestrichen. Rostrot. Und nicht wieder zu erkennen. Über dem zerfallenen ehemaligen Planschbecken liegt eine massive Holzbühne. Darauf sitzen Spaziergänger, Familien, Einzelgänger, Überläufer aus Kreuzberg mit oder ohne Kinder am Nachmittag am Wasser in der Sonne. Stolpersichere Wege sind von beiden Seiten angelegt und in der Nacht beleuchtet. Eine Initiative von mutigen Kunststudenten. Mutmaßen wir. Als wir zum ersten Mal, noch vor Ostern, noch mit aseptischen japanischen Innenräumen auf der Seele, dort am Abend ein Glas Wein trinken.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111308144246590729?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111308144246590729/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111308144246590729' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111308144246590729'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111308144246590729'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/das-engelbecken.html' title='Das Engelbecken'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111282799075879313</id><published>2005-04-07T00:52:00.000+02:00</published><updated>2005-04-07T00:53:10.760+02:00</updated><title type='text'>Sprache</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sprache widersetzt sich. &lt;br /&gt;Die Wörter. Die Sätze. Die Fragen. Die Antworten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Ostermontag saßen wir in Altefähr an der kalten Sonne am Sund. Der Raps blüht noch lange nicht. Unser erster Fahrradausflug. Am ersten nicht vernebelten Tag. Nie wurde ich in Japan so feindselig angestarrt, wie am Ostersamstag beim Einkaufen in Stralsund. Nur weil ich andere Schuhe trage. Behaupte ich trotzig. Und andere Fragen stelle. Wo finde ich denn, bitte, frischen Meerrettich? Der Wind ist scharf wie ein Samuraischwert. Was würden wir anders machen, will W. plötzlich wissen, wenn wir nochmals nach Japan führen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich träumte von der deutschen Sprache. Sie war ein Ding. Ein unförmiger Klotz. Ein klirrend kaltes Gebilde. Mit harten Kanten. Spitzen Ecken. Ungehobelten Seiten. Schmucklos. Farblos. Wie unsere japanische Wohnungseinrichtung: dezent hellbeige. Undurchsichtig und doch verletzend. Ich erwachte mit Schmerzen in allen Gliedern und erblickte Schimmel an der Decke. An der Wetterseite. Das feuchte Klima am Wasser. Der kalte Winter und kein Mensch. Der hier wohnte. Schlief. Heizte. Lüftete. Beim Putzen schlagen mir die Nachrichtenschleifen des norddeutschen Inforadios um die Ohren. Rund um die Uhr. Samstag und Sonntag. Die farblose Präzision der deutschen Sprache. Mit Ausnahme von zehn Minuten täglich. An der Ostsee von 19:50 Uhr bis 20:00 Uhr. Der Ohrenbär. Radiogeschichten für kleine Leute. Unser infantiles Ritual. Das nichts mit Japan zu tun hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nochmals Japan? Mit all den eingesammelten Vorbehalten und Ängsten? Routiniert im 100-Yen-Shop einkaufen, bei Kasumi und am Gemüsestand vor dem Institut? Sich klanglos in den Linksverkehr einreihen? Ich würde Japanisch lernen müssen. Behaupte ich trotzig. Würde mir einen guten Lehrer in Berlin suchen. Einen Mann! Es hieß, man höre den Ausländern an, welchen Geschlechts ihre Japanischlehrer waren. Männer, die sich die Sprache von einer Frau beibringen lassen, geraten schnell in den Verdacht, schwul zu sein. Sie sprechen weibisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Washington DC erwartete mich der Urgroßneffe meiner Romanheldin. Er sprach einen lupenreinen Berner Dialekt. Ich stolperte über mein vergessenes Baselbieterdeutsch. Wie die Boeing durch die Luftturbulenzen über dem Kontinent. Er erzählte, dass er mit 14 von Konolfingen nach New Holland versetzt wurde. Dass es schwierig war. In der Schule. Am Anfang verstand er gar nichts. Dass es aber noch viel schwieriger wurde. Als er nach einem halben Jahr zu verstehen begann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nichts würden wir anders machen. Sage ich und fahre nach Berlin zurück. In der U-Bahn, auf den Bahnhöfen, unter der Anzeige, wann der nächste Zug einfährt, die Endlosschleife: „Die BVG trauert um Andreas von Arnim“. Wie das norddeutsche Präzisionsgeschütz. Rund um die Uhr. Werktag und Feiertag. Wer immer dieser von Arnim war, die BVG ist kein Clemens von Brentano. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Wohnung beim Erzengel stirbt der Papst. Schon drei Tage vor seinem Tod wird nur noch im Präteritum über ihn gesprochen. Ich höre den Satz, er hätte als junger Mann viel Sport getrieben. Deshalb ziehe sich nun sein Sterben hin. Ich schalte um auf BBC. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sprache widersetzt sich. Sogar der Stummheit.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111282799075879313?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111282799075879313/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111282799075879313' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111282799075879313'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111282799075879313'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/sprache.html' title='Sprache'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111272059426371470</id><published>2005-04-05T19:02:00.000+02:00</published><updated>2005-04-05T19:03:14.266+02:00</updated><title type='text'>Wohnung</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wohnung widersetzt sich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich betrat sie durch die Eingangstür und die Bücher schlugen mich fast auf der Stelle tot. Broch. Platon. Brecht ... Ich ließ meine Laptoptasche fallen und suchte Weite. Auf dem Küchentisch wartete eine langstielige rote Rose. Und eine Umarmung von W. Willkommen in Berlin. Ich brauchte zwei Stunden, um einen Wasserhahn aufzudrehen. Den Feinstaub von den Fingern zu reiben. Ich brauchte Tage, um den Koffer auszupacken. Das Klavierzimmer war wochenlang eine Gepäckhalde. Die erste Waschgang wollte und wollte zu keinem Ende kommen. Die Waschmaschine in Tsukuba erledigte alles in sauberen 40 Minuten, manchmal sogar in 28. Sie wusch zwischen zehn und drei Minuten. Schleuderte zwischen zehn Minuten und sechzig Sekunden. Dazwischen zog sie Wasser. Pumpte es wieder ab. Pustete zum Schluss ihr fröhliches Liedchen durch das aseptische Appartement. Unsere Wäsche ist in den zwei japanischen Wintermonaten in die Breite gewachsen. Wie eine schwangere Auster.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stundenlang trug ich den Laptop von einem Zimmer ins andere. Jeden Tag aufs Neue. Bis ihn das Stampfen der Trojanischen Pferdeherde TR/Lowzones.A durchpflügte. Die Strafe für mein einäugiges Pferd. Seither benütze ich wieder die alten PCs. Bequeme mich zu ihren fest verkabelten Ecken. Bewundere ihre Monstrosität. Sie sind immun gegen modernen Pferdemist. Wochenlang mied ich meinen Schreibtisch. Und den fast Meterhohen Poststapel. Ich brauchte zwei schlaflose Vollmondnächte, um jeden Umschlag aufzureißen. Und fand eine einzige wichtige Nachricht. Alles andere landete im Papierkorb. Meine Warschauer Schlummermutter, Pani Antonina war gestorben. Die Strafe für meinen Zungenbrechertisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich fing an aufzuräumen. Panisch. Ich wollte alles wegwerfen. Die Tische. Die Stühle. Die Tassen. Die Teller. Die Wände. Die Decken. Beton. Kunststoff. Holzimitat. Ach, das gibt es auch noch. Schoss es mir an den unglaublichsten Stellen durch den Kopf. Brennend heiß. Im Bad. Eiskalt. Hinter dem Kühlschrank. Ekelerregend. In der Sockenschublade. Was ich in den letzten drei Monaten vergessen habe, brauche ich nicht. Ich wollte die Wohnung auflösen. Aus dem Grundbuch reißen. Zum Kuckuck wünschen. Um endlich wieder Luft zu bekommen, trug ich unsere Wintermäntel in die Chemische Reinigung. Räumte den Balkon auf. Kippte die letztjährige Blumenerde in den Müllschlucker. Und alle angeschlagenen Tontöpfe. Gläsernen Untersetzer. Kunterbunten Keramikübertöpfe. Fuhr nach Stralsund. Putzte Fenster und sortierte Hemden. Nach dem Tod eines Menschen soll man sein Leben und seine Kleiderschränke ordnen. Ich kam zurück und beschloss, in diesem Sommer nichts anzupflanzen. Auf dem Balkon beim Erzengel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wohnung widersetzt sich. Weiter.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111272059426371470?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111272059426371470/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111272059426371470' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111272059426371470'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111272059426371470'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/wohnung.html' title='Wohnung'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111270578187427663</id><published>2005-04-05T14:55:00.000+02:00</published><updated>2005-04-05T22:56:56.470+02:00</updated><title type='text'>Schlaf</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schlaf widersetzt sich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stundenlang. Wochenlang. Tagelang. Ich erwache um drei Uhr in der Nacht. Sehe durch die nur halb zugezogenen Seidenvorhänge die dunklen Fenster der Nachbarplattenbauten. Wache Nächte versetzen mich in die DDR. Benommene Nachmittage verbringe ich auf dem Balkon im Angesicht von Schinkels kriegszerstörter Backsteinarchitektur. Vor sechs Uhr kann ich nicht wieder einschlafen. Zwei Nächte lang höre ich W. schnarchen. Dann muss er zu seinem Semester nach Stralsund. Und ich liege die heller werdenden Stunden allein. Mit offenem Mund. Im Bett. Der Mond nimmt zu am Himmel. Das Herz rast im Innern. Magen, Leber, Niere, Galle, Blase, Därme fliehen den Aufstand in den Adern. Treten aus dem Körper heraus. Werden durchsichtig. Und verschwinden glucksend. Im Atlantik. Im Pazifik. Im Japanischen Meer. Die Kopfhaut löst sich in Fluggeräuschen auf. Jeder Gedanke erzeugt seinen eigenen Kondensstreifen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie kompakt war dagegen das Ankommen auf Maui. Nachdem wir Januar und Februar in Japan verbracht. Ich den sonnigsten Winter meines Lebens erlebt. Wir die Datumsgrenze überflogen hatten. Empfing uns eine Insel im Pazifik. Sonntag vormittag. Kahului. Tradewinde. Das älteste Kaufhaus brannte. Ich versank am Abend blitzschnell. In einem bodenlosen Schlaf. Es war schon hell, als mich ein gräßlicher Lärm weckte. Hubschraubergeknatter. Ich suchte es zu verscheuchen. Wie eine lästige Fliege. Meine Hand traf W.‘s Schulter. Ich fragte: „Wo sind wir?“ Er antwortete: „Still on Planet Earth.“ Und schlief seelenruhig weiter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin. Gleich am ersten Morgen fuhr ich nach Schöneberg zum Tai Chi. Schwitzte bei der geringsten Anstrengung. Schwindel und Fremdheit. Kein Gefühl in den Fersen. In den Ellbogen. Tigermaul. Ich konnte mich an nichts mehr erinnern. M. bot mir für den zweiten Morgen eine Einzelstunde an. Ich nahm dankbar an. Hoffte, die Bewegungen würden mich zentrieren. Wie eine Tastenkombination die Überschrift über einem Word-Dokument. Der Fahrstuhl war defekt. Ich stieg schnaufend in den fünften Stock. Das Herz gebärdete sich wild in der darauffolgenden Nacht. Ich war allein. Seit drei Monaten zum ersten Mal allein. In der Nacht. In meiner Wohnung. Beim Erzengel. Ich starrte in den Himmel über der DDR. Die zur Unzeit wachen Sinne schärfen das Gewissen. Eine moralische Kategorie, die Asiaten ganz abgeht. Das Herz poltert. Wie beim Aufstieg aus dem Krater. Aus der eisenerzschweren Vulkankuhle. Unter der glühenden Nachmittagssonne. Ich hätte sterben können. Begreife ich jetzt. In der Nacht. Wach. Allein. Zurückgekehrt an die polizeiliche Meldeadresse. In eine Aufenthaltsordnung. Reglos. Die Erinnerung bringt das Blut ins Wallen. Ich hatte Vergiftungserscheinungen. Tagelang einen metallischen Geschmack auf der Zunge. Verbrennungsflecken. Kopfschmerzen. Husten. Der Atem blieb mit mir stehen, sobald ich innehielt. Um nach Luft zu schnappen. Und einen Schluck Wasser zu trinken. Auf dem Weg aus dem Krater hinaus. Zurück. Hinauf. In die Außenwelt. Auf fast 3000 Metern über dem Stillen Ozean. Am zweiten Tag auf der Insel. Mit Japan auf der Lunge. Und einem Zeitloch im Kopf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schlaf widersetzt sich. Noch lange.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111270578187427663?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111270578187427663/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111270578187427663' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111270578187427663'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111270578187427663'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/schlaf.html' title='Schlaf'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111255746233886625</id><published>2005-04-03T21:43:00.000+02:00</published><updated>2005-04-03T21:44:22.343+02:00</updated><title type='text'>Die Luisenstadt</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Luise von Mecklenburg-Strelitz heiratete den späteren König Friedrich Wilhelm III. aus reiner Liebe. Sie war eine gute Königin und beim Volk beliebt wegen ihrer Wohltätigkeit. 1802 erhielt das ländliche Gebiet der Köpenicker Vorstadt auf Bitten seiner Bewohner den Namen „Luisenstadt“. Die Luisenstadt entwickelte sich im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts zu einem blühenden Zentrum der Handwerker, die in spezialisierten Werkstätten und kleinen Fabriken Lampen, Metallwaren (von Armaturen für Wasser und Dampf bis hin zu Panzerschränken), Motoren (u.a. den Schlangenrohrkessel), Landwirtschaftsmaschinen, Schreibmaschinen, Glas, Kristall, Porzellan, Konfektion, Nähmaschinen, Pelze, Leder- und Posamentierwaren, Elektroartikel, Schallplatten, Musikinstrumente (von der einfachen Blockflöte bis zum berühmten Bechstein-Flügel), Spielzeug, Papierwaren aber auch Kunsteis, Bettfedern und die Akkordsirene herstellten. In der Mitte des Jahrhunderts wurde der Luisenstädtische Kanal nach Plänen von Lenné als Wasserstraße zwischen Landwehrkanal und Spree gebaut. Er zog sich vom Urbahnhafen in gerader Linie bis zum Engelbecken und im Bogen bis zur Schillingbrücke an der Spree. Friedrich Wilhelm IV., der kluge Sohn der schönen Königin Luise, gab schließlich auch die Erlaubnis zum Bau einer zweiten katholischen Kirche in Berlin, der Michaelkirche. Sie sollte für die vielen Soldaten aus dem Rheinland und die Zuwanderer aus Schlesien unweit des Diakonissenhauses Bethanien, in der Sichtachse des Luisenstädtischen Kanals am Rande des großen Wasserbeckens nach dem Vorbild der venezianischen San Salvatore errichtet werden. Die Fertigstellung des katholischen Gotteshauses erlebte der protestantische König leider nicht mehr, aber seinem Wunsch gemäß wurde es dem Erzengel Michael geweiht – dem Patron aller in der Luisenstadt arbeitenden Handwerker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Teilung der Luisenstadt fand lange vor dem Bau der Berliner Mauer statt. 1920 wurde die neue Stadtgemeinde Berlin gegründet, der Fläche nach die damals größte Stadt der Welt. Ihre Einwohnerzahl nur von New York und London übertroffen. Durch die Neuaufteilung der Bezirke verschwand die Luisenstadt vom Stadtplan, dem neu erschaffenen Bezirk Hallesches Tor, 1921 in Kreuzberg umgetauft, wurde ihr südlicher und östlicher Teil zugeordnet, dem Bezirk Mitte ihr kleinerer, nördlicher Teil.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 3. Februar 1945 warfen 937 amerikanische Bomber am hellen Vormittag während anderthalb Stunden ihre todbringenden Ladungen über der auf dem Stadtplan längst ausradierten Luisenstadt ab, über 100 000 Menschen wurden obdachlos, unter ihnen meine heute weißhaarige Schwiegermutter Erika und ihre Zwillingsschwester Elisabeth. Nur der Engel auf dem Kirchturm überlebte unversehrt. Obwohl er seine Pflicht nicht getan hatte. Die Trümmer wurden nach Kriegsende abgetragen und in das offene Becken vor der Kirche, unter die schützend ausgebreiteten Flügel und Arme und Hände des Erzengels Michael gekippt. Die Aufteilung der Stadt unter den vier Mächtigen der Welt besiegelte das Schicksal der Luisenstadt: ihr Kreuzberger Teil blieb im Westen, das Engelbecken im Osten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus dem Trümmerhaufen wucherte Gras und die VoPos konnten schließlich ihren groben Wachturm auf eine wildblühende Bergwiese bauen. Ein strategisch hervorragender Posten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111255746233886625?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111255746233886625/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111255746233886625' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111255746233886625'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111255746233886625'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/die-luisenstadt.html' title='Die Luisenstadt'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111254897895425767</id><published>2005-04-03T19:21:00.000+02:00</published><updated>2005-04-03T19:22:58.956+02:00</updated><title type='text'>Die Rückkehr</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Niemand konnte mir sagen, wie das ist. Zurückzukehren. Nach zwei Monaten in Japan und einem halben Monat in den Vereinigten Staaten. Zurückzukehren. In ein Land. In eine Stadt. An eine Straße. &lt;br /&gt;Zurückzufinden zu meiner Meldeadresse. In meinen Aufenthaltstitel. &lt;br /&gt;Ich besitze eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Und eine Wohnung. In diesem Land.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während des Fluges von Frankfurt nach Berlin, nach einer traumlosen Nacht über dem Atlantik, stieg als erstes das hundertjährige Liegnitz über die Wolkendecke. Ich besitze ein Klavier! Ich hatte in fast drei Monaten nicht einen Gedanken daran verloren. Meine Finger hatten es nicht einen Augenblick vermisst. Liegnitz wartet in meiner Wohnung beim Erzengel! Weil die Türen zu eng waren und die Fenster schmal, wurde es in Teile zerlegt geliefert. An einem frostigen Februartag. Der Klavierbauer trieb die Träger an, Stimmstock, Hammerleiste, Gehäuse, Tastatur, Klaviaturboden, Resonanzboden, Füße ins Haus zu tragen. Dann schickte er sie nach Hause. Sie konnten nichts mehr tun. Ich auch nicht. Er schwitzte, schraubte, klopfte. Mit sanften Händen. Holz arbeitet. Sagte er. Heftig atmend. Egal wie alt es ist. Holz arbeitet immer. So lange es lebt. Empfindet es jeden Wechsel. Der Temperatur. Der Luftfeuchtigkeit. Der Stimmung. Nach einer Stunde beruhigte er sich. Nach zwei Stunden strahlte er. Und reichte mir die Hand zum Abschied. Ich solle spielen. Empfahl er. So viel wie möglich. Die Nachbarn, lächelte er verschmitzt. Müssten eben ausziehen. Ich müsste spielen. Der Stimmstock müsste sich verziehen. Die Saiten. Die Töne. Das Holz. Arbeiten. Unreine Kadenzen seien ein Zeichen dafür, dass das Liegnitz seine Seele rufe. Sie aus anderen Zimmern, anderen Zeiten zurückhole. Sich bei mir inkarniere. Spielen! Wiederholte er mit Nachdruck. Möglichst bis zum Ende der Heizperiode. Dann käme er. Versprach er damals. Und würde es für mich wieder stimmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Frankfurt aus hatte ich W. angerufen. Er war fröhlich. Ich mürrisch. Er wusste bereits, dass die Maschine aus Washington DC pünktlich gelandet war. Aus dem Internet. Wir hatten Verspätung. Beharrte ich. Mindestens zwanzig Minuten. Ich konnte nicht schlafen. Kinder von indischen Großfamilien weinten die ganze Nacht. Neben mir fachsimpelten ein amerikanischer und ein malaiischer Zahnarzt. Betrachteten faule Zähne in Großformat. Ich legte auf und fragte mich, wozu ich meinen Mann anrufe. Wenn ihm das Internet alles bereits gesagt hat. Und erst dann wunderte ich mich, wie eine Telefonkarte der Deutschen Telekom in meine Handtasche geraten war. Ich hatte automatisch hineingegriffen. Sie automatisch herausgezogen. Automatisch in den Schlitz des Automaten gesteckt. Ich erschrak. Ich war eine japanische Schlafwandlerin geworden!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111254897895425767?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111254897895425767/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111254897895425767' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111254897895425767'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111254897895425767'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/die-rckkehr.html' title='Die Rückkehr'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-11846290.post-111254218320901932</id><published>2005-04-03T17:28:00.000+02:00</published><updated>2005-04-03T17:29:43.210+02:00</updated><title type='text'>Beim Erzengel Michael</title><content type='html'>.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit einigen Jahren wohnen wir im Hochparterre eines elfstöckigen Plattenbaus mitten in Berlin. Baujahr Orwell, 1984. Die Berliner Mauer zog damals unerschütterlich ihrer Wege durch die Stadt. Kam von der Stallschreiberstraße querfeldein, umrundete das Engelbecken, begrub es im Todesstreifen, und folgte dem Engeldamm bis zur Schillingbrücke. Die Ruine der Michaelkirche stand im Schatten eines groben Kontrollturms. Presbyterium und Querschiff waren nach dem Krieg notdürftig wieder hergerichtet worden. Die Gläubigen knien und beten seither nach Westen. Nicht mehr, wie früher, nach Norden. Schon immer gab es hier eine ansehnliche polnische Gemeinde. Sonntags wird die Abendmesse in polnischer Sprache gelesen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W. lebte immer im Wedding. Vor der Mauer, während der Mauer und nach der Mauer. Ich kenne die Stadt nur ohne Mauer. Ich befand mich lange Zeit an anderen Enden der Welt. Nach Berlin kam ich aus dem Osten, aus Warschau. Lange nach ihrem Fall. Offenbarte sich die Mauer. Im Frühsommer 1999. Mir. Als ich zum ersten Mal vor dem unversehrten Glockenturm der Michaelkirche stand. Unter dem schneeweißen Erzengel Michael. Auf jungem Rasen. Inmitten einer eilig und nach historischen Plänen wieder erstandenen Baumanlage. Als ich unsere neue Wohnung zum ersten Mal von außen betrachtete. Da spürte ich die Mauer auf der Haut. Im Nacken. Und unter den Schuhsohlen. Sie stand leibhaftig vor mir. Trennte schlagartig das Sichtfeld. Die Wortwahl. Drüben. Sagte W. War Westen. Kreuzberg. Die Himmelsrichtungen sind nicht die von Sonne und Mond. Unten, fuhr er fort, raste die U-Bahn ohne Halt durch. Oben ist die Grenze mitten in der Stadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bereits die Nachbarn im vierten Stock konnten hinüber starren. Über die Mauer, über den Todesstreifen, über das zugeschüttete Engelbecken, über den Wachturm, über die Schießscharten, über die Schäferhunde, über die Selbstschussanlagen. Hinein in die Küchen der Kreuzberger Türkinnen. In ihre Kochtöpfe. Unter ihre Kopftücher. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unser Hausengel, der Erzengel Michael ist der Patron des Deutschen Volkes, der Katholischen Kirche, der Soldaten, der Apotheker, Eicher, Gewichtemacher, Kaufleute, Bäcker, Bankangestellten, Drechsler, Glaser, Maler, Radiofachleute, Ritter, Schneider, Vergolder, Versilberer, Blei-, Zinn- und Kupfergießer, aber auch der Armen Seelen, der Sterbenden, der Kirchhöfe, er sorgt für einen guten Tod und schützt gegen Blitz und Ungewitter. Ich nehme an, er war letzte Nacht in Rom. Und stand dem sterbenden Papst bei. Heute abend wird wieder die Messe in polnischer Sprache gelesen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/11846290-111254218320901932?l=beimerzengel.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://beimerzengel.blogspot.com/feeds/111254218320901932/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=11846290&amp;postID=111254218320901932' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111254218320901932'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/11846290/posts/default/111254218320901932'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://beimerzengel.blogspot.com/2005/04/beim-erzengel-michael.html' title='Beim Erzengel Michael'/><author><name>judith arlt</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01914325073097393181</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_IHS4xm43SlE/SX9u-msMSHI/AAAAAAAAAMU/Hu7deebjzMo/S220/IMGP9916.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
